Angela Merkel hat die CDU nach ihrem historischen Wahldebakel in Mecklenburg-Vorpommern indirekt an ihren Anspruch als Volkspartei erinnert. «An einem Tag wie heute und nach einem Abend wie gestern lohnt es sich vielleicht, auch noch mal nachzudenken: Was können wir von Konrad Adenauer übernehmen?», sagte die frühere Bundeskanzlerin am Montagabend bei einer Ausstellungseröffnung im Bundestag. Die CDU war tags zuvor mit 4,9 Prozent erstmals in ihrer Geschichte aus einem Landesparlament geflogen.
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Merkel sprach weder über Bundeskanzler Friedrich Merz noch über die AfD. Stattdessen erinnerte sie an Adenauers Vorstellung einer CDU mit drei gleichberechtigten Wurzeln: konservativ, liberal und christlich-sozial. Der erste Bundeskanzler habe verstanden, dass eine Volkspartei «Menschen einladen, alle Menschen ansprechen» und zugleich ihre eigenen Werte kennen müsse. «Für ihn war klar, man muss Brücken bauen. Und gleichzeitig ergab sich daraus automatisch, mit wem man keine Brücken bauen konnte.»
Diese Brücken müssten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Stadt und Land, Umwelt und Wirtschaft sowie verschiedenen Generationen geschlagen werden, sagte Merkel. Heute komme für sie eine weitere Gruppe hinzu: Menschen «mit und ohne Migrationsgeschichte». «Ich denke, das muss der Anspruch einer Volkspartei sein», erklärte sie.
Die Aussagen fallen in eine schwierige Phase für die CDU. Neben dem Ausscheiden aus dem Landtag in Mecklenburg-Vorpommern verlor die Union auch in Berlin deutlich. Merz bezeichnete das Ergebnis im Nordosten als «Desaster» und «tiefe Zäsur», will aber an seinem Reformkurs festhalten.
Merkel äusserte sich auch zur politischen Kommunikation. Die frühere Vorstellung, «Autorität erwächst aus Distanz», funktioniere im Zeitalter von Tiktok nicht mehr. Politiker müssten stärker erklären, was sie antreibe und wo sie selbst zweifelten. Eine konkrete Empfehlung für Merz gab Merkel nicht – ihre Botschaft richtete sie über Adenauer an die CDU als Ganzes.