Kapitel
- Einleitung und Begrüssung
- Bedeutung des Julierpasses
- Erste Passquerungen
- Entwicklung des Handels
- Römische Überreste und Historie
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«Grüezi wiederand, ich begrüße Sie ganz herzlich zu einer weiteren Ausgabe von Weltwoche Daily, Spezial Meilensteine der Schweizer Geschichte. Mein Name ist Roman Zeller und neben mir bereits steht schon Professor Christoph Mörgeli. Vielleicht erkennen Sie die beiden Pfösten hinter uns. Wir befinden uns nämlich auf dem Julierpass zum Engadin führend. Lieber Christoph, was ist heute der Meilenstein der Schweizer Geschichte? Grüezi miteinander. Der Julierpass ist einer der bedeutendsten Alpenpässe der Schweiz oder vielleicht generell im ganzen Alpenraum. Er befindet sich auf 2284 Metern Höhe und er verbindet das Oberhalbstein mit dem Oberengadin. Er ist historisch sehr, sehr alt bezeugt. Er ist schon in prähistorischer Zeit begangen worden, wie Funde zeigen, durch Säumer, durch Händler, durch Jäger. All das wissen wir ziemlich genau. Wann wurde der Julier erstmals passiert? Der Julier wurde begangen bereits vor Tausenden von Jahren. Das ist eindeutig. Es handelt sich um einen relativ leicht begehbaren. Pass, die Gefahren waren überschaubar von Unwittern, von Steinschlag, von Schneetreiben, von Lawinen und so weiter. Und so gesehen bot sich dieser Pass als Übergangsmöglichkeit geradezu an, schon in sehr früher Zeit, einfach durch die Topografie, durch die Geologie, die man hier vorfindet. Zu Fuss nehme ich an. Das war noch zu Fuss. hat aber auch bereits in vorrömischer Zeit sich hier bereits mit Saumtieren hier den Pass überqueren können. Wann begann ein eigentlicher Handel, die Passstrasse, wie wir sie vielleicht von heute ungefähr kennen, natürlich noch vielleicht auch mit Wagen, wann begann so ein geregelter Verkehr über den Julier? Tatsächlich können wir davon ausgehen, dass bereits die Römer mit zweiräderigen Wagen diesen Pass überqueren. Das zeigen entsprechende archäologische Funde. Die beiden Säulen hinter uns, abgebrochene Säulen, ebenfalls aus römischer Zeit, sind Überreste eines Tempels, der sich hier mal befunden hat. Da haben die Überquerenden geopfert, haben vielleicht Münzen hingelegt oder sonst wie ihre Gebete verrichtet, um eben für einen glücklichen... Übergang über diesen Julierpass zu bitten. Wer hat diesen Tempel gebaut und erstellt? Das waren die Römer. Wer genau es war und welcher Architekt hier gearbeitet hat, wissen wir natürlich nicht. Aber es ist aus römischer Zeit. Ich selber habe eine Jugenderinnerung an diese Römersteine, indem ich nämlich schon als kleiner Knabe Fotografien anschaute meines Vaters, der hier als junger Mann auf einem solchen Stein den Handstand problemlos vollführt hat. Ich selber bin nicht mehr so sportlich. Wann hat der Gütertransport geregelt stattgefunden? Wann wurde diese Passstrasse zunehmend wichtig aus ökonomischer Sicht? Es ist eindeutig, dass die Römer diesen Pass sehr oft und häufig benutzt haben. Es ist auch klar, es ist der Weg aus der Po-Ebene-Region, aus Gomo. Dann Richtung Provinz Rätsia, Richtung Chur. Und seit dem Jahr 15 vor Christus, als die Römer eben den Alpenraum erobert haben, ist sicher auch dieser Pass begangen worden. War sehr wichtig in römischer und dann später auch in mittelalterlicher Zeit. Denn vom Norden her wurden Produkte wie Käse, wie Fee, vielleicht auch Wolle Richtung Süden geführt. und umgekehrt kam vom Süden Wein, kamen Gewürze, kamen Stoffe, Seide usw. Gab es hier auch Überfälle, irgendwelche Räuber, die hier ihr Unwesen treibten? Die Räuber waren hier weniger zugange. Es war doch möglich, dass man einigermassen Ordnung hielt und es war für die hier am Pass Wohnenden ein lohnendes Geschäft, indem sie sich eben an diesem Saumwesen befinden. beteiligten, indem sie die Pferde stellten, indem sie entsprechende Abgaben einfordern konnten und so eben recht gut lebten an diesem Pass, solange er eben blühend war, das ändert sich dann im Laufe des Mittelalters ein bisschen. Warum? Die Kurer, vor allem der Bischof von Chur, hat dann zunehmend den Septimerpass bevorzugt. Der Septimer ist eine raschere Nord-Süd-Verbindung und der Bischof von Chur hat es vor allem gemacht, weil er dort mehr einziehen konnte, weil dort seine Wegstationen waren und er eben darum diese Route bevorzugt hat. Und dennoch bleibt der Julier wichtig, denn er verbindet natürlich das Engadin, wie ich gesagt habe, mit dem Oberhalbstein, mit dem sogenannten Surses. Und was wurde Wichtiges hierüber transportiert? Welche vielleicht sogar auch Immaterialgüter, Gedanken, gelangten von der einen auf die andere Passseite? Es ist hier dann später zur Zeit der... Reformation, auch ein geistiger, sagen wir mal, Riegel, was die Konfessionen betrifft. Die erste Gemeinde hier unten ist zwar noch protestantisch und meines Wissens italienischsprachig, aber dann später ist der Oberhalbstein katholisch, währenddem das Engadin reformiert geworden ist. Das zeigt zum Beispiel sehr schön die Gestalt. des Zürcher Staatsmanns Johann Heinrich Waser im Roman von Konrad Ferdinand Mayer, Jörg Jenatsch. Der Roman beginnt nämlich hier auf dem Julier, in dem eben dieser Zürcher, ein nüchterner Beobachter der damaligen Wirren des Dreissigjährigen Kriegs, der Bündner Wirren, hier eben diese Spaltung der Konfessionen sehr gut nachvollziehen kann und erlebt. und eben auch mit beiden Seiten, mit beiden Parteien dann sprechen kann, gewissermassen als Diplomat in der Aussensicht. Es war doch eigentlich zentral, dass die eine Seite des Passes katholisch und die andere Seite reformiert war. Wie war das möglich, dass da quasi ein natürlicher Graben herrschte? Das hat sich so ergeben und man hat dann auch durchaus miteinander leidlich leben können. wurde dann zunehmend doch weniger von Spannungen erschüttert. Die Spannungen waren natürlich vor allem im Dreissigjährigen Krieg gross und grösser. Da haben eben auch dann verschiedene Mächte um die Vorherrschaft dieses Passes gekämpft. Das waren die Österreicher, das waren die Franzosen, die Spanier, die Venezianer usw. Alle wollten hier diese Passübergänge sichern. Und der Romaneinstieg von Konrad Ferdinand Mayer will zeigen, dass es eben letztlich bei diesen Viren um die Vorherrschaft der wichtigen Alpenübergänge ging. Wann wurde erstmals eine mehr oder weniger Strasse im heutigen Sinne hier erstellt? Weiss man das? Das weiss man recht genau. Das war ein durchaus spektakulärer Bau. Zwischen den Jahren 1820 und 1826 ist diese Julierroute ausgebaut worden. Mit damals doch aufsehenerregenden Sprengungen, mit gewissermassen Aufräum- und Wegräumarbeiten, auch mit Strassensicherungen. Das war eine wirklich grosse Sache. Selbstverständlich noch nicht asphaltiert, aber dann per Wagen befahrbar. Und in der Folge hat der Postkutschenverkehr und überhaupt auch der Warenverkehr mit Pferden und Wagen einen Warenausschwung genommen. Der Julier wurde sehr, sehr wichtig und es hat natürlich auch dann den Oberhalbstein, die Region Chur auch, das untere Bündnerland, mit dem Engadin näher verbunden. Führte das zu einer Aufwertung des Engadins oder zu einer Aufwertung von Chur und Co.? Das ist eindeutig beides. Vor allem eben das Engadin hat davon profitiert im 19. Jahrhundert. Da wurde eben St. Moritz, da wurden andere Kurorte sehr bekannt, sehr berühmt, haben einen rasanten Aufstieg genommen und da war diese Verbindung ausserordentlich wichtig. Ein Rückschlag kommt dann als im beginnenden 20. Jahrhundert. 1903 der Albulatunnel eröffnet wird. Dann kann man natürlich bequem, auch schneesicher, ohne Gefahr durch den Tunnel fahren. Per Eisenbahn hat auch Material so Transport. transportieren können. Und das war eine sicher sehr, sehr ernsthafte Konkurrenz für diesen Julier. Der hat dadurch gelitten und erst recht gelitten haben natürlich die Transporte, die pferdegezogenen Transportmittel. Wann führten Autos über den Julier? Die Autos kamen dann erst in den 1920er Jahren. Der Kanton Graubünden hat die Autos sehr, sehr lange. Erst nach schwersten Kämpfen wurde dann tatsächlich erlaubt, das Auto durch den Kanton Graubünden fahren zu dürfen. Das hat diesen Julierpass enorm belebt. Der beginnende Automobilverkehr war natürlich sehr, sehr wichtig. In den 1930er Jahren hat man die Route auch asphaltiert. Da war dann nicht mehr die Gefahr des Staubs und man konnte... bequemer passieren. Und so gesehen wurde dann dieser Pass ganz, ganz wichtig für den Tourismus, für den Aufschwung des Engadins, aber eben auch der Region des Oberhalbsteins, die eben auch zunehmend touristisch erschlossen wurde. Was war die Überlegung hinter diesem Autoverbot in Graubünden? Das waren Bedenken bezüglich Unfällen, das war natürlich auch das Konkurs. Konkurrenz denken, die Abwehr durch die traditionellen Transportgeschäfte. Sehr viele Bündner verdienten eben am gezogenen Transport, am Pferdetransport. Vielleicht war auch die Bahn nicht immer ganz glücklich über die Konkurrenz der Strasse. So haben dann zur Verwunderung der restlichen Schweiz die Bündner erstaunlich lange an diesem Automobilverbot festgehalten. Was bedeutete diese Autoroute über den Julier für das Engadin? Wann kam so der ganz grosse Tourismus-Schub in dieser Region? Der ganz grosse Tourismus-Schub? kam bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg. Da gab es einen gewissen Rückschlag. Und in der Zwischenkriegszeit noch einmal, wir dürfen nicht vergessen, 1928 haben die Olympischen Spiele im Winter in St. Moritz stattgefunden, nochmals 1948. Das war natürlich wirklich ein Booster für diesen Tourismus. Später dann in der Nachkriegszeit eine enorme Aufschwungphase dieses Tourismus, auch eine erhebliche, man kann fast sagen enorme Bautätigkeit, wobei man immer schauen muss, dass man damit eben nicht die wunderbare Landschaft zerstört. In der neueren Zeit über den Julier, was gibt es da zu sagen? Der Julier ist einer der Pässe, der... ganzjährig befahrbar ist. Grundsätzlich ist es ganz selten, dass der Julier gesperrt wird im Winter durch Schneefall. Aber die Bündner versuchen mit viel Aufwand und vielen Kosten diesen Julier wirklich ganzjährig befahrbar zu machen, ständig zu Pfaden zu salzen und hier eben den Verkehr aufrecht zu halten. Und er ist eine wahnsinnig beliebte Strecke. Wir sehen das auch heute durch die Motto. Motorradfahrer, durch Oldtimer-Fahrer, normale Automobilisten. Es ist landschaftlich aufregend. Es ist ein wunderbarer Übergang auch von einer Landschaft in die nächste, von einer Talschaft in die nächste. Und das geniessen die Menschen auf dieser schönen, bequemen und eben doch spannenden Julierstrecke. Und was macht diese Julierstrecke, diesen Pass? zu einem derartigen Hotspot wichtig für die ganze Schweiz, zu einem Meilenstein. Was ist da die grössere Bedeutung hinter diesem Pass? Der Julier ist eigentlich nicht wegzudenken von der Verbindung, was den Westen mit dem Osten der Schweiz betrifft. Also wir sind im Bündnerzipfel und dieser Zipfel im Osten ist ohne den Julier schwerlich zu erreichen. Natürlich hat hat es andere Passmöglichkeiten. Natürlich haben wir jetzt neben dem Albolatunnel auch den Vereiner Tunnel ins Unterengadin. Und das sind weitere Möglichkeiten, die sich erschliessen verkehrsmässig. Aber der Julier spielt für den Automobilverkehr, für den Gütertransport eine noch immer sehr, sehr erhebliche Rolle. Was gibt es sonst noch anzumerken? Was haben wir vielleicht bis jetzt vergessen zu diesem wirklich... Auch landschaftlich wahnsinnig spektakulären Pass der Schweiz. Ich glaube, zusammenfassend ist es einfach spannend, dass dieser Julier im Gegensatz zu anderen Pässen, etwa im Gegensatz zum Gotthard, schon viel, viel länger begangen wird. Also nicht erst seit dem Mittelalter, sondern sicher schon in prähistorischer Zeit, in der Bronzezeit. Das zeigen Funde. Dieser Pass war relativ einfach zu überqueren, obwohl wir auf stattlicher Höhe sind hier. und Diese Kontinuität macht den Julier für uns eigentlich zu einem Faszinosum. Und zu einem Meilenstein der Schweizer Geschichte. Lieber Christoph, ganz herzlichen Dank für diese Ausführungen. Ihnen danken wir ganz herzlich für die Aufmerksamkeit. Wir wünschen Ihnen mit diesen Bildern einen wunderschönen Samstag, ein frohes Wochenende und bis zum nächsten Mal bei Weltwoche Daily Spezial und vor allem bis zum nächsten Mal bei den Meilensteinen der Schweizer Geschichte. Vielen herzlichen Dank. 2020
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