Video: Meilensteine der Schweizer Geschichte: Prof. Christoph Mörgeli über das Schloss Tarasp in Scuol, der grössten Gemeinde der Schweiz
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Musik Grüezi bitte dann, ich begrüsse Sie ganz herzlich zu einer weiteren Ausgabe von Weltwoche Daily, speziell Meilenscheine der Schweizer Geschichte. Mein Name ist Roman Zeller und neben mir bereit steht schon Professor Christoph Mörgerli. Wir sind im Kanton Graubünden heute und neben uns, beziehungsweise hinter uns, sehen Sie ein wunderbares Schloss, ein Prachtschloss. lieber Christoph, was ist das für ein Schluss? Und was ist der Meilenstein der heutigen Sendung? Grüezi miteinander. Wir stehen vor der Kulisse des Schlosses Tarasp im Unterengadin, hoch über dem Unterengadin auf einem Felssporn von 140 Metern. Überwacht dieses Schloss Tarasp das Tal. Und es handelt sich um ein Schloss, das eine fast tausendjährige Geschichte hinter sich hat. Eine sehr, sehr wechselvolle Geschichte. mit Hochs und Tiefs, wie wir sehen werden. Wann beginnt diese Geschichte? Diese Geschichte beginnt im Jahr 1040 mit den Herren von Tarasp, die hier ihre erste Burg errichten. Sie stammen aus dem Windschgau, haben Beziehungen zum Bischof von Chur, haben auch Beziehungen zu den Grafen von Tirol und haben hier hoch über dem Inntal natürlich die Strassen bzw. die Wege. bewacht, die wichtig sind. Nord-Süd-Verbindung im Wesentlichen eben auch aus dem deutschen, süddeutschen Raum, aus dem Raum des Tirols von Österreich Richtung Süden Italien. Was war der Sinn und Zweck dieses Schlosses und wann haben Sie das gebaut? Sinn und Zweck war natürlich hier die Herrschaft zu verkörpern, auszuüben. und eben auch die entsprechenden Einnahmen einzuziehen. Und das ist diesen Herrn von Tarasp durchaus gelungen. Heute ist dieses Schloss übrigens auf Gemeindegebiet von Squall, von Schulz, die grösste schweizerische Gemeinde flächenmässig. Früher waren das noch selbstständige Gemeinden, die dann später dazu kamen. Aber zurück zu den Herren von Tarasp. Die haben hier... Ihre Herrschaftsrechte ausgeübt als lokale Adlige mit weiten Beziehungen, allerdings verwandtschaftlichen Beziehungen über die Region hinaus. Sie sind dann aber im Jahr 1177 ausgestorben. Wie gross war das Herrschaftsgebiet der Tarasps? Das Herrschaftsgebiet erstreckte sich hier doch über das Unterengadin und dann weit darüber hinaus auch noch ins Winchgau und in andere Gebiete. hinaus. Das war ein ziemlicher Flickenteppich, das war nicht eine zusammenhängende Territorialherrschaft, da kamen dann Erbschaften hinzu, gingen wieder verloren und so weiter. Das war ein ständiges Auf und Ab. Was passierte nach der Herrschaft mit diesem Schloss, mit der Region, mit diesem Herrschaftsgebiet? Es kommt dann zu häufigen Besitzerwechsel, etwas unklaren Besitzverhältnissen auch. Es geht auf und nieder. mit diesem Schloss, bis es dann im 14. Jahrhundert an die Grafen von Tirol fällt. Und diese Grafen haben dann ihre Grafschaft wiederum an die Habsburger veräußert. Das war im Jahr 1363. Und dann ist es eigentlich habsburgisch und bleibt das auch eine rechte Weile. Und zwar sehr zum Ärger der Bündner, denn es ist gewissermassen eine Insel, eine Enklave der habsburgischen Herrschaft. Und vor allem im Schwabenkrieg 1499, als die Bündner diese Herrschaft von Kaiser Maximilian loswerden wollten, haben sie Anstoss genommen an dieser Burg, haben sie auch teilweise zerstört. Und es war ihnen immer eigentlich ein... Dorn im Auge. Das gilt dann auch besonders im beginnenden 16. Jahrhundert, dass das ganze Engadin, sowohl das Ober- wie das Unterengadin, zum reformierten Glauben übergetreten ist. Dieses Tarasp und das Schloss Habsburgisch, wie ich gesagt habe, blieb natürlich katholisch und war da immer ein Stachel im Fleisch dieser Landschaft, dieses Engadins. Wurde es wieder restauriert? Es wurde dann im im 16. und 17. Jahrhundert durchaus immer wieder in Stand gebracht. Man hat die Schäden, welche 1499 entstanden sind, ausgebessert. Und vieles, was heute vielleicht sehr mittelalterlich erscheint, kommt aus dem 15. bzw. vor allem 16. und 17. Jahrhundert. Das sind dann also spätere Bauetappen. Den Habsburgern wird das schliesslich auch zu kostspielig und sie haben das Schloss veräussert an eine Fürstenfamilie aus dem Mährischen stammend, aus der Slowakei. Und diese Familie hat das gut dann selber nicht gross in Eigenregie bewirtschaftet, vielfach dann verpachtet und an Dienstleute abgelehnt. gegeben. Das war auch eine relativ sagen wir mal wechselvolle Zeit in dieser Zeit, die eben die Fürsten von Dietrichstein bestritten haben. Und als dann nach dem Einmarsch der Franzosen und nach dem Graubünden-Schweizer Kanton wird 1803 eben auch dieses Gebiet an die Schweiz geschlagen, wurde endgültig dann 1815, da haben die Dietrichstein dieses Schloss auch. weitergegeben. Und man muss sagen, im 19. Jahrhundert, die Eidgenossen haben nicht sehr gut dafür geschaut, auch die Bündner nicht. Es ist dann zunehmend verfallen, es wurde ausgeraubt, es wurde ausgeweidet, es wurden Teile verkauft, die Möbel, die Täfer, die Stuben, alles rausgerissen und es kam dann wirklich in einen bituablen Zustand, was schade ist, denn es war doch ein Ein ganz, ganz wichtiges und markantes Wahrzeichen für das Unterengadin. Wie kam eine slowakische Familie dazu und warum? Das gehörte natürlich damals zum Kaiserreich Österreich-Ungarn. Und diese Familie hatte entsprechende Beziehungen zum Kaiserhof und hat sich anerboten, hier eben dieses Schloss zu übernehmen. Und im Moment, wo eben die Habsburg ein bisschen klamm, bei Kasse waren, haben sie das sehr gern abgegeben und weitergereicht. Das heruntergekommene Schloss, wie wurde es wieder auf Vorderbahn gebracht? Wurde es überhaupt wieder auf Vorderbahn gebracht? Das ist wie ein Wunder in einer neuen Zeit, nämlich im Industriezeitalter. Das ist tatsächlich eine sehr schöne und eindrückliche Geschichte. Es hat sich nämlich ein bedeutender Deutscher... industrieller, ein Hersteller eines bekannten Mundwassers in Dresden, des Othol. Das war Herrn Lingner für dieses Schloss begeistert. Er hat es einmal in Ferien gesehen und hat gedacht, da muss man doch was machen, das geht doch nicht so, das darf doch nicht zerfallen. Er hat das Schloss gekauft für lumpige 20.000 Franken, hat dann aber Millionen rein. gesteckt. Ligner war, wie ich gesagt habe, Odol-Produzent, der hätte wahrscheinlich gerne einen Adelstitel bekommen vom König von Sachsen oder vielleicht auch vom deutschen Kaiser, aber Wilhelm II. soll gesagt haben, ich kann doch nicht einem Mundwasserfabrikanten den Adel verleihen, das könnte ich vielleicht, wenn er Kanonen oder ähnliches produzieren würde. Jedenfalls ist es nicht dazu gekommen und Lingner ist dann im Jahr 1916 verstorben. Und er hat das Schloss dem König von Sachsen schenken wollen. Dieser König von Sachsen, der auch nur noch bis 1918 im Amt war und dann vertrieben wurde, hat das Geschenk dankend abgelehnt und es kam dann in Verwandtschaft, nämlich in das Geschlecht. der Hessen-Darmstadt. Und diese Familie hat es als Sommersitz benutzt, hat eigentlich auch dazu geschaut. Und das ging bis ins Jahr 2016, als die Familie Hessen-Darmstadt das Schloss wiederum weitergereicht und verkauft hat. An wen? Dieses Schloss ging dann für, man nimmt dann rund 8 Millionen Franken, an den, ich glaube man kann sagen, Weltbekannten. Künstler Noth Vital, hier würdig aus dem Unterengadin. Und der hegt und pflegt dieses Schloss auch jetzt als Kulturzentrum. Er veranstaltet Installationen, hat auch Kunstwerke ausgestellt. Man kann sich da treffen. Die Region hat mit diesem Schloss nun wirklich einen auch weitgehend öffentlich zugänglichen Mittelpunkt erlangt. Und es ist eigentlich eine schöne Geschichte, wie das jetzt geendet hat, wieder durch einen Einheimischen und also weder durch ein deutsches Fürstengeschlecht noch durch einen Dresdner Mundwasserfabrikanten. Kannst du doch ein Wort zu Not Vital sagen? Wer ist das? Was ist bemerkenswert an ihm? Not Vital ist ein bedeutender zeitgenössischer Künstler, der auch sehr, sehr gute Preise erzielt hat für seine Werke. Er hat ein internationales Renommee. Ich bin selber überhaupt nicht Spezialist in zeitgenössischer Kunst, aber man kann sicher sagen, dass er absolut akzeptiert ist in dieser Szene und eben auch da, wo offenbar auch ein grosser Markt besteht, entsprechend gute Preise kriegen kann, sodass ihm dieses Hobby, würde ich jetzt mal sagen, gelungen ist, ein so schönes und stattliches und wichtiges Schloss zu erhalten. für künftige Generationen, wie wir hoffen. Was ist die Bedeutung dieses Schlosses für die Region? Die Region hat einerseits damit natürlich ein weit sichtbares Wahrzeichen. Das ist kaum zu unterschätzen, denn Schulz ist auch ein wichtiger Fremdenverkehrsort. Da kann man im Sommer und im Winter wunderbar Ferien machen, Skifahren, Sport treiben, hat auch ein schönes Hallenbad. Und Schulz ist aber auch sonst wichtig für Dienstleistungen als Spitalstandort und kann sich jetzt mit diesem Schloss schmücken. Seit einiger Zeit ist eben dieses Schloss sogar auf Gemeindegebiet von Schulz. Das war früher nicht der Fall. Der Rasp als eigenständige Gemeinde, wie ich meine, bis heute als Gebiet katholisch geblieben. und auch die Kirche entsprechend katholisch durch eben diese Geschichte, die vor allem die Habsburger oder eben die märischen Geschlechter der Dietrichstein geprägt haben. Und das stimmt, dass Squall die grösste Gemeinde der Schweiz ist? Das ist mein Wissensstand, das ist auch erreicht worden durch Eingemeindungen. Es gibt dann andere Gemeinden, die das vielleicht ein bisschen streitig machen, aber ich würde mal behaupten, Schulz Squall ist heute die grösste Gemeinde der Schweiz. Es gibt aber auch andere Ranglisten, Zernetz zum Beispiel. Ebenfalls eine sehr, sehr grosse Gemeinde, rühmt sich die waldreichste Gemeinde der Schweiz zu sein. Was würdest du sagen, was macht dieses Schloss derart bedeutend, dass es sogar ein Meilenstein der Schweizer Geschichte ist? Ich meine, es ist ganz, ganz wichtig für die Identität des Bündnerlandes, auch wenn es nicht ursprünglich war. bündnerisch ist. Das zeigt eben auch die verworrenen Herrschaftsverhältnisse, die sich auf historische Tatsachen beziehen und die eben auch berücksichtigen müssen. Es war, wie gesagt, lange Zeit ein Stachel im Fleisch der Eidgenossen bzw. vor allem der Bündner, die dieses Schloss und ihre Herrschaften nicht so besonders gerne mochten. Das hat sich längstens geändert. und entspannt war im Grunde schon so zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als das Schloss dann an den Kanton Graubünden kam. Gibt es noch Fakten, Wissenswertes, Anekdoten, die wir noch nicht umrissen haben? Ich weiss jetzt nichts über Schlossgespenster oder ähnliche Geschichten, also da habe ich dann doch zu wenig Einblick in die Internas dieses Schlosses, Aber man darf sagen, es ist eine wirklich interessante und spannende Geschichte. Spannende Geschichte, ausgehend von den Herren von Tarasp, fast 1000 Jahre her. Und all die Gemäuer, die dann hinzugekommen sind, auch die Zerstörungen, die dann dazwischen stattgefunden haben. Und dann die Grafen von Tirol, verschiedenste Geschlechter, die Habsburger und dann die Dietrichstein aus Mähren bis hin zum Odolfabrikanten Lingner. Und dann eben zum König von Sachsen, der dankend abgewinkt hat. Dann eben zum Geschlecht der Hessen-Darmstadt und schliesslich zu Not Vital, einem Schweizer Demokraten. Lieber Christoph, ganz herzlichen Dank für diese Ausführung. Ihnen danken wir für die Aufmerksamkeit, wünschen Ihnen einen wunderschönen Tag, einen schönen Samstag, ein schönes Wochenende. Bis zum nächsten Meilenstein der Schweizer Geschichte und Weltwoche der Elisch Spezial. Vielen herzlichen Dank und auf Wiedersehen. Danke.

Meilensteine der Schweizer Geschichte: Prof. Christoph Mörgeli über das Schloss Tarasp in Scuol, der grössten Gemeinde der Schweiz

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Meilensteine der Schweizer Geschichte: Prof. Christoph Mörgeli über das Schloss Tarasp in Scuol, der grössten Gemeinde der Schweiz
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Kapitel

  1. Einführung und Begrüssung
  2. Einführung Schloss Tarasp
  3. Geschichte des Schlosses Tarasp
  4. Herrschaftsgebiet der Herren von Tarasp
  5. Besitzerwechsel und Habsburger Zeit
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