Die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung in Deutschland ist seit Jahresbeginn stark gestiegen und hat sich allein zwischen Ende Juni und Ende August mehr als verdoppelt. Nach Angaben des zuständigen Bundesamts gingen von Januar bis Ende August 2026 insgesamt 12.102 Anträge ein. Ende Juni waren es noch 5862 gewesen, berichtet die Bild-Zeitung.
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Damit liegt die Zahl bereits nach acht Monaten mehr als dreimal so hoch wie im gesamten Vorjahr. 2025 wurden 3879 Anträge gestellt, 2024 waren es 2249. Der starke Anstieg fällt zeitlich mit dem neuen Wehrdienstgesetz zusammen, das am 1. Januar in Kraft getreten ist. Seither erhalten junge Männer einen verpflichtenden Fragebogen, mit dem ihre Eignung für den Militärdienst erfasst werden soll.
Eine allgemeine Wehrpflicht gilt damit allerdings nicht. Sie ist in Deutschland weiterhin ausgesetzt, besteht aber im Grundgesetz fort. Sollte die Bundeswehr ihre Personalziele nicht erreichen, könnte der Bundestag künftig eine sogenannte Bedarfswehrpflicht aktivieren. Verteidigungsminister Boris Pistorius setzt zunächst darauf, ausreichend freiwillige Soldaten zu gewinnen.
Die steigende Zahl der Verweigerer beschäftigt inzwischen auch die Verwaltung. Das Bundesamt berichtet von einer «hohen Zahl an fehlgeleiteten Anträgen», die nicht anerkannt werden könnten und deshalb zurückgeschickt würden. Im Internet und in sozialen Netzwerken kursierten zudem falsche Angaben über das Verfahren.
Für eine Kriegsdienstverweigerung reicht ein Formular nicht aus. Erforderlich sind ein schriftlicher Antrag, ein tabellarischer Lebenslauf, eine eigenhändig unterschriebene Erklärung sowie eine ausführliche persönliche Begründung der Gewissensentscheidung.
Der starke Anstieg zeigt damit schon vor einer möglichen Reaktivierung der Wehrpflicht eine deutliche Reaktion auf die neue deutsche Personalpolitik für die Bundeswehr.