Der Machtkampf um Fifa-Präsident Gianni Infantino spaltet den Weltfussball: Während die Uefa an ihrem WM-Boykott festhält, stellen sich Südamerika, Afrika und nun auch Mexiko gegen eine vorzeitige Abwahl des Schweizers. Der südamerikanische Verband Conmebol pocht auf das reguläre Verfahren und lehnt einen ausserordentlichen Fifa-Kongress zur Absetzung Infantinos ab. Man werde «keine Massnahmen oder Verfahren unterstützen, die diese institutionellen Mechanismen missachten oder davon abweichen», erklärte der Verband. Gemeint ist damit insbesondere die für den 18. März 2027 angesetzte reguläre Präsidentenwahl. Trotz «Besorgnis über die wiederholten Alleingänge» Infantinos sieht Conmebol keinen Grund für einen ausserordentlichen Kongress zu dessen Abwahl.
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Besonders deutlich positioniert sich Argentinien. Verbandspräsident Claudio Tapia sandte Infantino einen Brief, in dem er betonte, «dass der richtige Weg darin besteht, weiter unter seiner Führung zu arbeiten». Die demonstrative Rückendeckung dürfte zugleich die Debatte über das Verhältnis zwischen der Fifa-Spitze und dem argentinischen Verband neu beleben. Bereits während der Weltmeisterschaft war über eine besondere Nähe Infantinos zu Argentinien spekuliert worden.
Rückendeckung erhält Infantino auch aus Afrika. Der Kontinentalverband CAF stellte sich einstimmig hinter den Fifa-Chef. Mit ihren 54 Stimmen könnten die afrikanischen Verbände bei einer Wahl entscheidendes Gewicht haben. Überraschend wechselte zudem WM-Co-Gastgeber Mexiko ins Infantino-Lager, nachdem der nationale Verband dessen Pläne zuvor noch abgelehnt hatte. In Asien ist die Lage gespalten: Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate unterstützen Infantino, Jordanien stellt sich gegen ihn. Die elf Verbände Ozeaniens haben sich bisher nicht positioniert.
Auslöser des Konflikts ist der gescheiterte Plan, Anteile der neu zu gründenden Tochtergesellschaft «Fifa Forward Enterprise» an Investoren zu verkaufen. Die Uefa und ihre 55 Mitgliedsverbände entzogen Infantino daraufhin das Vertrauen. Sie verlangen, das Vorhaben endgültig fallen zu lassen und sicherzustellen, «dass derartige Versuche, den Fussball auf diese Weise zu entstellen, niemals wieder unternommen werden». Solange diese Bedingungen nicht erfüllt sind, hält die Uefa am Boykott der Weltmeisterschaften der Männer und Frauen fest.