London gehen die Schulkinder aus: Seit 2019 wurden in der britischen Hauptstadt mehr als neunzig Schulen geschlossen oder zusammengelegt, weil die Schülerzahlen sinken. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf den Kommunalverband London Councils. Als Ursachen nennt der Bericht sinkende Geburtenraten sowie den Wegzug von Familien infolge hoher Wohnkosten, Brexit und Pandemie.
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Besonders stark trifft die Entwicklung die Grundschulen. Bis zum Schuljahr 2029/30 dürfte ihre Schülerzahl in London um mehr als 7,6 Prozent zurückgehen, im inneren London sogar um 11,4 Prozent. Im Bezirk Islington wird mit einem Minus von 22 Prozent gerechnet – dem stärksten Rückgang in ganz England. In Hackney ist die Zahl der Grundschüler bereits seit der Zeit vor der Pandemie um 15 Prozent gesunken; bis 2029/30 werden weitere 14 Prozent erwartet.
Die Folgen sind bereits sichtbar. Allein in Hackney schlossen innerhalb von zwei Jahren acht Grundschulen. Zwei leerstehende Schulgebäude sollen nun vorübergehend als Unterkünfte für Obdachlose dienen. Andere ehemalige Schulen werden umgenutzt. Kommunen verkaufen die Gebäude bislang jedoch nicht, weil sie diese bei einem möglichen Wiederanstieg der Geburtenzahlen erneut benötigen könnten.
Hinter der Entwicklung steht ein grundlegender demografischer Wandel. Die Geburtenrate ist seit 2012 um fast ein Drittel auf nur noch 1,39 Kinder je Frau gefallen. Demograf Paul Morland sieht darin ein wirtschaftliches und gesellschaftliches Problem. Viele Frauen wollten nach seiner Darstellung zwei oder drei Kinder, bekämen diese aber nicht. «Wir brauchen unsere Politiker, die anfangen, darüber zu sprechen», sagte er.
Der Rückgang dürfte bald auch weiterführende Schulen erreichen. Deren Schülerzahlen sind bislang noch gestiegen, sollen aber ab dem kommenden Jahr ebenfalls sinken. Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb zwischen den Schulen, weil ihre Finanzierung von der Schülerzahl abhängt. Eine englische Grundschule erhält derzeit rund 7000 Pfund pro Kind. Weniger Kinder bedeuten damit nicht nur leere Klassenzimmer, sondern auch weniger Geld.