Bundeskanzler Friedrich Merz ist bei seinem ersten Wahlkampfauftritt in Mecklenburg-Vorpommern mit Beschimpfungen und Rücktrittsforderungen empfangen worden. Passanten bezeichneten den CDU-Chef am Montag im Ostseebad Kühlungsborn als «Kriegstreiber» und «Pinocchio», berichtet die Zeit. Merz reagierte nicht öffentlich auf die Zurufe und suchte stattdessen an einem CDU-Stand das Gespräch mit Besuchern.
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Der Kanzler unterstützte dort den CDU-Spitzenkandidaten Daniel Peters vor der Landtagswahl am 20. September. Begleitet wurde er von Kanzleramtsminister Philipp Amthor. Ein angekündigtes Pressestatement von Merz wurde kurzfristig gestrichen; eine Begründung dafür gab es zunächst nicht. Andere Passanten widersprachen den Protestierenden und mahnten zu einem respektvollen Umgang.
Politisch noch brisanter ist für die CDU die Lage im benachbarten Sachsen-Anhalt, wo bereits am kommenden Sonntag gewählt wird. Laut jüngster ZDF-Umfrage kommt die AfD dort auf 40 Prozent, während die CDU bei 23 Prozent liegt. Merz reiste deshalb weiter nach Quedlinburg, wo er gemeinsam mit Ministerpräsident Sven Schulze auftrat.
«Sachsen-Anhalt darf kein Experimentierfeld für Wutbürger werden», erklärte Merz. Eine mögliche absolute Mehrheit der AfD könne nach seiner Darstellung auch die wirtschaftliche Entwicklung gefährden. Internationale Investoren könnten abgeschreckt werden, wenn das Land politisch nicht mehr verlässlich regierbar erscheine.
Der Wahlkampfeinsatz des Kanzlers ist innerhalb der CDU nicht ohne Spannungen. Schulze hat sich mehrfach von Vorhaben der Bundesregierung abgegrenzt und betont, er vertrete die Interessen Sachsen-Anhalts und nicht die Agenda Berlins. Merz will am Donnerstag erneut in das Bundesland reisen und den Standort von UPM Biochemicals in Leuna besuchen. Einen Tag vor der Wahl ist zudem ein Auftritt bei der CDU in Hannover vorgesehen.