Deutschlands Generalinspekteur Carsten Breuer fordert angesichts des Ukraine-Krieges eine stärkere Einbindung der Bevölkerung und der Industrie in die Landesverteidigung. Bei einer Rede am Prager Sicherheitsgipfel «IISS Defence Summit» erklärte der oberste Soldat der Bundeswehr: «Ohne Sie sind wir als Soldaten zum Scheitern verurteilt. Aber Scheitern ist keine Option. Denn Scheitern würde bedeuten, dass unsere Gesellschaften, so wie wir sie kennen, tödlich bedroht wären. Wir sitzen alle gemeinsam in diesem Boot.» Dies berichtet die Bild-Zeitung.
Hauke-Christian Dittrich/DPA/Keystone
Neben Soldaten brauche die Bundeswehr moderne Technologie und vor allem die Fähigkeit, sich rasch an neue Entwicklungen anzupassen. Breuer: «Kriege werden nicht mit Spekulationen gewonnen, Kriege werden mit Soldaten gewonnen.» Zudem warnte er davor, technische Neuerungen mit militärischer Strategie gleichzusetzen. «Technologie darf nicht bestimmen, was wir tun. Wir müssen bestimmen, was wir mit Technologie tun.»
Als entscheidendes Anschauungsbeispiel nannte Breuer den Krieg in der Ukraine. Russland lerne, passe sich an und entwickle Methoden dafür, westliche Stärken zu umgehen. Technologische Überlegenheit könne deshalb schnell verlorengehen. Militärische Strategien drohten bereits beim Inkrafttreten überholt zu sein. Die Bundeswehr müsse deshalb Erkenntnisse aus dem Krieg schneller in ihre Planungen übernehmen.
Breuer hatte im April 2026 die erste Militärstrategie der Bundeswehr unterzeichnet. Nach Darstellung der Bundeswehr gilt Russland darin als zentrale Bedrohung; Moskau könnte nach deutscher Einschätzung ab 2029 zu einem grossangelegten Angriff auf Nato-Gebiet fähig sein. Breuers Konsequenz: Verteidigung sei nicht mehr allein Sache der Streitkräfte. Gegen hybride Bedrohungen und im Ernstfall brauche Deutschland auch Unternehmen, Infrastruktur und Bevölkerung.