Die Schweizer EU-Turbos erinnern sich noch gut an Stefano Sannino, den damaligen Chefunterhändler des institutionellen Rahmenabkommens. Kurz bevor die Verhandlungen vom Bundesrat endgültig versenkt wurden, versuchte eine Gruppe von Parlamentariern bei einem Nachtessen in Brüssel Sannino Geständnisse abzugewinnen. «Wir werden versuchen, den Chefunterhändler am Ende mit einem Kirsch versöhnlich zu stimmen», sagte ein Mitglied der Schweizer Delegation gegenüber 20 Minuten – vergebens.
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Offenbar war damals selbst den Schweizer EU-Turbos klar, dass man nachhelfen muss, wenn man von den Funktionären in Brüssel etwas bekommen will. Nun wurde der Italiener gemeinsam mit seiner Landsfrau Federica Mogherini, der früheren EU-Aussenbeauftragte, unter Korruptionsverdacht festgenommen. Dies berichten belgische Medien übereinstimmend. Den Diplomaten wird vorgeworfen, in den Jahren 2021 und 2022 EU-Gelder veruntreut zu haben.
Demnach soll das von Mogherini geleitete Europakollegium in Brügge bei der Vergabe eines Ausbildungsprogramms für künftige EU-Diplomaten vom Auswärtigen Dienst der EU unter Generalsekretär Sannino bevorzugt worden sein. Mögliche Vergehen seien Betrug bei der Vergabe öffentlicher Aufträge, Korruption, Interessenkonflikte sowie die Verletzung des Berufsgeheimnisses, schreiben Medien. Es gilt für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung.