Die Konjunkturflaute in der Volksrepublik China verschärft den Druck auf die deutsche Industrie. Gemäss Oliver Oehms, Leiter der Deutschen Auslandshandelskammer (AHK) in Nordchina, und Clemens Fuest, Präsident des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo, verlieren deutsche Unternehmen Marktanteile im wichtigsten Absatzmarkt Asiens. Dies berichtet die Zeit. Gleichzeitig wächst der Konkurrenzdruck auf den Weltmärkten, weil chinesische Hersteller ihre Überkapazitäten zunehmend im Ausland absetzen.
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Auslöser ist die anhaltend schwache Binnennachfrage in China. Was im Inland keinen Absatz findet, wird exportiert. Peking hält dennoch an seiner industriepolitischen Strategie fest und setzt weiterhin auf Investitionen und den Ausbau der Produktion statt auf eine Stärkung des privaten Konsums. Nach Einschätzung von Oehms ist kurzfristig keine spürbare Belebung der Binnenwirtschaft zu erwarten.
Fuest sieht strukturelle Fehlanreize in der Wirtschaft des Landes. China investiere mehr als 40 Prozent seiner Wirtschaftsleistung, erreiche damit jedoch lediglich ein Wachstum von 4 bis 5 Prozent. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sprach bereits 2025 von «exzessiven» Investitionen. Gleichzeitig steigt die Verschuldung des Privatsektors weiter und dürfte nach IWF-Prognosen in diesem Jahr 323 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen – deutlich mehr als in westlichen Industriestaaten. Die steigenden Exportüberschüsse verschärfen den Wettbewerbsdruck auf europäische Hersteller. Deutsche Unternehmen reagieren mit neuen Geschäftsmodellen und erschliessen gemeinsam mit chinesischen Partnern Drittmärkte. Trotz der schwierigen Lage bleibt das Land nach Einschätzung der Deutschen Auslandshandelskammer ein Schlüsselmarkt für die deutsche Wirtschaft. Gleichzeitig bremsen die anhaltende Immobilienkrise, die alternde Bevölkerung und die schwache Binnennachfrage die wirtschaftliche Entwicklung Chinas.
Ob die Volksrepublik in eine längere Phase der Stagnation gerät, sei unter Ökonomen umstritten, wie die Zeit berichtet. Einig seien sie sich jedoch darin, dass eine nachhaltige Erholung ohne stärkeren Binnenkonsum und marktwirtschaftliche Reformen kaum gelingen dürfte.