Eine russische Drohne hat am Freitag das Hauptquartier des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU im Zentrum von Kiew getroffen und mindestens sieben Menschen verletzt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte den Einschlag in dem Gebäude an der Wolodymyrska-Strasse gegenüber der Sophienkathedrale, schreibt die Bild-Zeitung. Nach seinen Angaben galt der Angriff dem Büro des amtierenden SBU-Chefs Oleksandr Poklad.
Das ukrainische Medium Ukrainska Prawda berichtete unter Berufung auf eigene Quellen, die Drohne sei tatsächlich in Poklads Büro eingeschlagen. Der Geheimdienstchef habe sich zum Zeitpunkt des Angriffs nicht dort aufgehalten. Bilder vom Ort zeigen dichten schwarzen Rauch über dem Gebäude sowie Feuerwehr- und Rettungskräfte.
Der Angriff erfolgte am Nachmittag. Gegen 15 Uhr Ortszeit wurde in Kiew Luftalarm ausgelöst, etwa eine halbe Stunde später waren Explosionen im Stadtzentrum zu hören. Nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko mussten sechs Verletzte ins Krankenhaus gebracht werden. Auch Gebäude in der Umgebung wurden beschädigt. In einem nahe gelegenen Restaurant wurde nach Angaben des Besitzers ein Gast verletzt.
Der Angriff reiht sich laut dem Bericht in eine seit neun Tagen andauernde Serie russischer Attacken auf die ukrainische Hauptstadt ein. Dabei setzt Russland demnach zunehmend auch strahlgetriebene Drohnen vom Shahed-Typ ein.
Selenskyj kündigte eine Reaktion an. Er habe Poklad angewiesen, eine «angemessene, spürbare» und nach Möglichkeit «symmetrische» Antwort vorzubereiten. Aussenminister Andrij Sybiha bezeichnete den Treffer auf die Geheimdienstzentrale als «grosse Eskalation, die eine entschlossene Reaktion erfordert». Moskau äusserte sich in dem vorliegenden Bericht zunächst nicht zu dem Angriff.