Ein mutmasslich klimaaktivistisch motivierter Saboteur hält die deutschen Sicherheitsbehörden in Atem: Nach mehreren Angriffen und Anschlagsversuchen auf das Stromnetz fahndet die Polizei europaweit nach Daniel V. (48) aus Nordrhein-Westfalen. Der Verdächtige soll mit selbstgebauten Vorrichtungen Kurzschlüsse an Hochspannungsleitungen verursacht haben. Hinweise auf sein mögliches Motiv liefern zwei Bekennerschreiben: Darin richtet sich der Verfasser ausdrücklich gegen die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen.
Polizei NRW, Christoph Reichwein/DPA/Keystone
Wie die Bild berichtet, wurden die Schreiben vergangene Woche an verschiedene Medien verschickt. Der Verfasser nennt darin seinen Namen und seine Adresse und erklärt: «Hallo Leute! Ich bin der, der Kurzschlüsse im Stromnetz rund um die Kraftwerke Jänschwalde und ‹Schwarze Pumpe› verursacht hat.» Mit den Aktionen habe er gegen die «Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen» protestieren wollen. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul sagte: «Stand jetzt bewerten wir die Briefe als authentisch. Der Verfasser nennt als Motiv den Kampf gegen fossile Brennstoffe.» Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bezeichnete die Vorgänge nach aktuellem Stand als «Klimaextremismus». Die Ermittler prüfen weiterhin, ob Daniel V. tatsächlich für alle ihm zugeschriebenen Taten verantwortlich ist und ob es Mittäter gibt.
Die Fahndung läuft inzwischen mit erheblichem Aufwand. Am Freitag durchsuchten Spezialkräfte das Wohnhaus des 48-Jährigen in Gevelsberg und fanden dort Sprengstoff. Wenig später stürmte ein Spezialeinsatzkommando bei Niederzier seinen auffälligen Lastwagen, der offenbar zu einem Wohnmobil umgebaut worden war – Daniel V. war nicht darin. Eine anschliessende Suche mit einer Hundertschaft und Spürhunden im Hambacher Forst blieb ebenfalls ohne Erfolg. Mittlerweile fahnden Polizei und Staatsanwaltschaft öffentlich mit Fotos nach ihm.
Die jüngste Spur führte nach Remscheid. Dort meldete eine Privatperson einen verdächtigen Mann mit Rucksack an einem Umspannwerk. Polizisten, Hundeführer und ein Hubschrauber suchten das Gebiet zwischen Remscheid und Wuppertal ab. Ob der Beobachtete Daniel V. war, ist bislang unklar. Nach Angaben der Polizei laufen inzwischen in ganz Nordrhein-Westfalen Fahndungsmassnahmen, darunter auch verdeckte Einsätze.
Gleichzeitig tauchen weitere mögliche Tatmittel auf. An der A 4 bei Langerwehe entdeckte die Polizei Abschussvorrichtungen nahe einer Hochspannungsleitung. In Sachsen wurden inzwischen 21 selbstgebaute Vorrichtungen an Hochspannungstrassen gefunden. Eine 60-köpfige Ermittlungsgruppe wertet nun Unterlagen aus dem Besitz von Daniel V. aus. Dabei geht es auch um die Frage, ob darin Hinweise auf weitere mögliche Anschlagsziele im Bundesgebiet zu finden sind.