Die Migros hat auf Tiktok ein Video veröffentlicht, in dem sich Besucher des Gurten-Festivals positiv über die deutsche «feministische» Rapperin Ikkimel äussern. Ihre Songs werden auf Streamingplattformen millionenfach gehört. In ihren Songtexten verbreitet die Berlinerin männerfeindliche Aussagen.
«Sie ist sehr intelligent», schwärmt eine Befragte auf dem Migros-Kanal, «das ist eine Kunstfigur». Eine andere: «Ihre Texte sind einfach mega. Die Leute sind ein bisschen prüde. Die ganzen Männer machen das auch, wieso darf Ikkimel das nicht?» Die Influencerin nickt: «Fairer Punkt.» Kritische Stimmen bleiben aus.
Keystone; Screenshot TikTok
Influencer Joung Gustav macht auf seinem Kanal auf das unkritische Video der Migros aufmerksam. Das Unternehmen verharmlose mit einer «bedenklichen Lockerheit» radikalen Männerhass.
Die Migros sieht es anders: Man habe Besucher befragt, «was sie von Ikkimels Auftritt halten, gerade weil sie umstritten ist», teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. «Das Video selbst hat weder eine politische noch eine gesellschaftliche Färbung in die eine oder andere Richtung.»
Und weiter: «Wir haben keine politische Ausrichtung. Ebenso spielt es in unseren Unternehmen keine Rolle, welche Hautfarbe, welches Geschlecht oder welche sexuelle Orientierung ein Mensch hat. Wir stellen uns Diskriminierung jedweder Art entschieden entgegen. Diesen Grundsatz hat unser Gründerpaar Adele und Gottlieb Duttweiler tief in der Migros verankert. Er gilt bis heute uneingeschränkt.»
Man kann von Ikkimel halten, was man will. Die weiteren Indizien, die Gustav für eine politische Färbung der Migros nennt, sind deutlich. Beschwerten sich Nutzer über die männerfeindlichen Inhalte, wiegelte der Migros-Account ab. Ganz anders im Fall des Influencers Hamza Raya: Dieser hatte Kritik an biologischen Männern in Frauenbädern geäussert. Nach negativen Kommentaren löschte die Migros die gemeinsamen Videos im Rahmen einer Werbekooperation, wie Gustav dokumentiert. Er kündigt an, künftig nicht mehr beim «orangen Riesen» einzukaufen.
Es ist nicht das erste Mal, dass der Detailhändler so agiert. Schon Gustavs eigenes Getränk «Vyte» nahm die Migros aus dem Sortiment, nachdem er das Schweizer Asylsystem kritisiert hatte. Mehr zum Fall: