Deutschland muss bei der geplanten Beschaffung amerikanischer Tomahawk-Marschflugkörper mit jahrelangen Verzögerungen und höheren Kosten rechnen. Nach internen Regierungsunterlagen, die Politico vorliegen, werden erste Lieferungen inzwischen frühestens 2031 erwartet. Berlin hatte ursprünglich darauf gesetzt, bereits 2029 über eine erste einsatzbereite Kombination aus Tomahawk-Raketen und dem amerikanischen Typhon-Startsystem zu verfügen.
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«Aufgrund der Anzahl der im Iran-Konflikt eingesetzten Tomahawk-Landangriffsraketen sowie der derzeit begrenzten Produktionskapazitäten kann derzeit keine belastbare Einschätzung abgegeben werden», wann Deutschland die benötigte Zahl erhalten werde, heisst es laut Politico in den Regierungsdokumenten. Die Verzögerung dürfte bei den Gesprächen von Verteidigungsminister Boris Pistorius mit seinem US-Amtskollegen Pete Hegseth in Washington eine zentrale Rolle gespielt haben.
Mit Tomahawk und Typhon will die Bundeswehr erstmals die Fähigkeit erhalten, Ziele weit hinter gegnerischen Linien mit landgestützten Marschflugkörpern anzugreifen. Doch der amerikanische Bedarf im Iran-Krieg belastet die Bestände und Produktionskapazitäten. Auch die Kosten steigen: das Typhon-Paket könnte nach US-Schätzungen rund doppelt so teuer werden wie die von Berlin bisher veranschlagten 200 Millionen Euro.
Hinzu kommt, dass das amerikanische Verfahren für den Rüstungsexport noch nicht abgeschlossen ist. Die im Juli zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und US-Präsident Donald Trump vereinbarte Beschaffung wartet nach dem Bericht weiterhin auf den notwendigen Genehmigungsprozess des US-Aussenministeriums.
Berlin will die Engpässe zugleich nutzen, um deutsche Unternehmen stärker in die amerikanische Rüstungsproduktion einzubinden. Diskutiert werden Lizenzen für eine gemeinsame Produktion sowie eine Beteiligung deutscher Firmen an der Lieferkette der Tomahawks. Konkrete Vereinbarungen gibt es bislang nicht. Trotz der Verzögerungen empfiehlt die interne Bewertung der Bundesregierung, an der Beschaffung festzuhalten und in Washington auf schnellere Lieferungen zu drängen.