Der islamische Theologe Mouhanad Khorchide hält Österreichs neues Kopftuchverbot für Schülerinnen unter vierzehn Jahren für geeignet, Mädchen vor religiösem und sozialem Druck zu schützen. Im Interview mit der Zeit sagte der Religionspädagoge: «Ich bin kein Fan von Verboten. Aber es ist schon so, dass man dadurch wahrscheinlich sehr viele Mädchen davor schützen wird, gegen ihren Willen ein Kopftuch zu tragen.»
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Die seit dieser Woche geltende Regelung soll die Entwicklungs- und Entfaltungsfreiheit von Kindern schützen. Nach Angaben Khorchides gehen die Behörden von rund 12.000 betroffenen Mädchen aus. Bei wiederholten Verstössen können Eltern mit Geldbussen zwischen 150 und 800 Euro belegt werden. Lehrkräfte dürfen das Kopftuch nicht zwangsweise abnehmen.
Khorchide, Gründungsdekan der Fakultät für islamische Theologie an der Universität Münster, sieht für Mädchen unter vierzehn Jahren keine religiöse Verpflichtung zum Kopftuch. Die islamische Normenlehre knüpfe Pflichten an Reife, Einsicht und Reflexionsfähigkeit. Auch aus dem Koran lasse sich kein direktes Kopftuchgebot ableiten. Konservative Gelehrte verträten allerdings mehrheitlich eine andere Auffassung.
Der Theologe verweist auf den Einfluss konservativer Eltern, Imame und Gleichaltriger. Schulleiter berichteten ihm von muslimischen Jungen, die Mitschülerinnen zum Kopftuchtragen oder andere Kinder zum Fasten drängten. Ein gesetzliches Verbot könne betroffenen Mädchen eine Argumentationshilfe geben.
Zugleich warnt Khorchide vor einer Instrumentalisierung durch islamistische Gruppen. Diese könnten das Verbot als Beleg für eine angebliche Diskriminierung des Islam darstellen. Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich ficht die Regelung vor dem Verfassungsgericht an. Ein früheres Kopftuchverbot hatte das Gericht aufgehoben.
Für Deutschland hält Khorchide ein entsprechendes Verbot wegen der Religionsfreiheit nicht für vereinbar mit dem Recht. Er bevorzugt eine innerislamische Debatte, in der Gemeinden und Imame Eltern über die fehlende religiöse Pflicht für Mädchen aufklären. Eine solche Initiative aus der Gemeinschaft heraus wäre aus seiner Sicht die bessere Lösung.