Polen und Rumänien wollen ihre Transportkapazitäten für ukrainisches Getreide trotz der anhaltenden Blockade im Schwarzen Meer nicht weiter ausbauen. Das erklärten Vertreter beider EU-Staaten gegenüber Politico, nachdem der ukrainische Landwirtschaftsminister Taras Wysozkyj in Brüssel zusätzliche Transitmöglichkeiten und 1,1 Milliarden Euro Unterstützung für höhere Transportkosten verlangt hatte.
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«Die Interessen unserer eigenen Bauern haben weiterhin Vorrang», sagte Rumäniens Landwirtschaftsminister Barna Tánczos. Ukrainisches Getreide und niedrige Wasserstände auf der Donau belasteten bereits die rumänischen Häfen und erschwerten einheimischen Bauern den Absatz. Zwar optimiere Bukarest seine Logistik und habe mit Kiew Verbesserungen bei Grenzübergängen und Bahnverbindungen vereinbart. Die Kapazitäten liessen sich aber nicht beliebig erhöhen.
Auch Polen winkt ab. Das Infrastrukturministerium habe «keine Pläne», Änderungen zur Steigerung des Transits ukrainischer Agrarprodukte einzuführen, teilte Sprecherin Anna Szumańska mit. Polen, die Slowakei und Ungarn beschränken bereits seit längerem die Einfuhr ukrainischen Getreides zum Schutz ihrer heimischen Landwirtschaft.
Für Kiew verschärft sich damit ein logistisches und finanzielles Problem. Wegen der seit Monaten anhaltenden Angriffe auf Häfen und Schiffe kann die Ukraine derzeit weniger als die Hälfte ihres möglichen Exportvolumens über Strassen, Schienen und Flüsse in der EU ausführen. Bleibt die Blockade bestehen, könnten laut Wysozkyj in diesem Jahr bis zu 35 Millionen Tonnen Agrargüter im Land festsitzen.
Das gefährdet bereits die nächste Ernte. Ohne Einnahmen aus den Exporten fehle vielen Bauern das Geld für die Aussaat. Sollte die Situation bis zum Frühjahr anhalten, könnte die bestellte Fläche laut Wysozkyj um 35 bis 40 Prozent schrumpfen.
Die EU-Kommission schliesst weitere Massnahmen nicht aus. Landwirtschaftskommissar Christophe Hansen verwies auf mögliche Folgen für die weltweite Ernährungssicherheit, machte jedoch keine konkreten Zusagen. Deutschland signalisiert dagegen Bereitschaft, alternative Routen zu stärken. Kiew prüft dabei auch deutsche und niederländische Häfen als zusätzliche Ausfuhrwege.