Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich in einem Bürgergespräch bei RTL gegen teils scharfe Kritik an seiner Sozial-, Migrations- und AfD-Politik verteidigt. In der Sendung «Am Tisch mit Friedrich Merz» traf der CDU-Chef auf vier Bürger, die ihn mit Vorwürfen zu Familienpolitik, Gesundheitskosten, Migration und der «Brandmauer» zur AfD konfrontierten.
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Ein Familienvater aus Bayern beklagte Kürzungen beim Elterngeld und hielt Merz vor, Familien hätten dieses Jahr monatlich lediglich 4 Euro mehr Kindergeld erhalten. Zeitweise habe man den Eindruck, Kinder seien für den Kanzler «nicht interessant», weil sie zunächst Geld kosteten. Merz wies das zurück und verwies auf andere kostspielige Herausforderungen, darunter den Ukraine- und den Handelskrieg. «In einem Land in Freiheit zu leben und in einem Land in Frieden zu leben, ist auch ein Wert. Auch für unsere Kinder.» Als der Vater daraus schloss, Familien sollten ihre Erwartungen herunterschrauben, antwortete Merz: «Wir wollen mehr tun, aber unsere Möglichkeiten sind begrenzt.»
Auch seine «Stadtbild»-Aussage aus dem vergangenen Jahr nahm Merz nicht zurück. Damals hatte er im Zusammenhang mit Migration von einem Problem im «Stadtbild» gesprochen. Im RTL-Gespräch erklärte er nun, damit unter anderem das «hohe Mass an Kriminalität in den Städten» gemeint zu haben. Pfarrerin Hannah Clemens bezweifelte, dass es dieses gebe. Merz widersprach dreimal mit Nachdruck: «Aber ja!» – und verwies auf einen «erheblichen, überdurchschnittlichen Ausländeranteil». Über solche Themen müsse gesprochen werden.
Beim Thema AfD blieb der Kanzler ebenfalls kategorisch. Ein Bürger aus Sachsen-Anhalt fragte, weshalb die CDU nicht mit einer Partei zusammenarbeite, mit der sie wirtschaftspolitisch möglicherweise mehr durchsetzen könne. Mit der AfD und «ihren Funktionären» sei eine Zusammenarbeit nicht möglich, sagte Merz. Die politischen Unterschiede seien fundamental: «Ich kann nicht halb austreten aus der Europäischen Union. Ich kann nicht halb rausgehen aus der Nato. Ich kann die CDU nicht halb zerstören.» Die «feste Verankerung» seiner Partei in der westlichen Werteordnung werde er nicht aufgeben.
Besonders heftig geriet der Austausch mit der Kinderärztin und Influencerin Bea Mersch. Sie warf Merz wegen des Sparpakets für die gesetzliche Krankenversicherung vor, seinen Amtseid zu brechen, und bezeichnete die Pläne als «menschenverachtend» und «zerstörerisch». Merz verwies auf die mehr als 500 Milliarden Euro, die Deutschland für das Gesundheitssystem ausgebe. Zusätzlich störte ihn, dass Mersch ihre Kritik auf Instagram mit Bildern von Kindern illustriert hatte. Sie unterstelle ihm damit, sagte Merz, dass er «vorsätzlich die Zukunft dieser Kinder zerstöre».
Merz blieb damit bei seiner Linie, den Bürgern Grenzen staatlicher Möglichkeiten aufzuzeigen. Die Sendung machte sichtbar, wie unterschiedlich Regierung und Bürger derzeit über dieselben Probleme sprechen: Die Bürger sprachen über konkrete Folgen der Politik für Familien, Kinder, Patienten und das gesellschaftliche Zusammenleben, der Kanzler über Krieg, Frieden, Haushaltszwänge und politische Kompromisse.