Alice Weidel sieht die AfD auf dem Weg an die Regierung – in den Ländern und im Bund. Im ZDF-«Sommerinterview» gab sich die Parteichefin siegessicher und griff die schwarz-rote Bundesregierung scharf an. «Entweder sie können es nicht, oder es ist Vorsatz. Herr Merz kann es nicht. Herr Klingbeil kann es auch nicht», sagte sie. Deutschland werde von «irgendwelchen Flachzangen da oben» regiert. Zugleich kündigte sie an, die AfD werde «Recht und Gesetz umsetzen».
Screenshot ZDF
Besonders hart ging Weidel mit der CDU ins Gericht. Die sogenannte Brandmauer gegen ihre Partei sei «das Undemokratischste, was es gibt». Die Union werde an ihrer Abgrenzung zur AfD zugrunde gehen und «keine einzige Bundestagswahl mehr gewinnen», prognostizierte sie. Für eine Zusammenarbeit mit anderen Parteien zeigte sie sich grundsätzlich offen: «Ich bin bereit, mit jedem zu arbeiten, solange er fähig ist.»
Auch programmatisch legte sich Weidel fest. Sie verteidigte die Forderung ihrer Partei nach einem Austritt Deutschlands aus dem Euro. Die Gemeinschaftswährung sei instabil und führe zu Vermögensverlusten für die «normale Bevölkerung». «Deutschland ging es deutlich besser vor der Euro-Einführung», sagte sie.
In der Migrationspolitik will Weidel ebenfalls einen deutlichen Kurswechsel. Sie sieht durch Migration die innere Sicherheit gefährdet und fordert geschlossene Grenzen. Deutschland solle dafür notfalls aus dem Schengen-Abkommen austreten. Zudem kündigte sie an: «Die Syrer werden alle zurückgeführt in ihre Heimat.» Auch Afghanen würden «nicht mehr eingeflogen». Wie notwendige Rücknahmeabkommen mit Syrien und Afghanistan zustande kommen sollen, beantwortete sie nicht direkt.
Beim Streit um die Zukunft der Autoindustrie wandte sich Weidel gegen das Verbrenner-Aus und staatliche Eingriffe. Ihr Rezept laute «Markt- und Technologieoffenheit»: Der Staat solle den Menschen nicht vorschreiben, welches Auto sie fahren. Auch politische Massnahmen gegen den Klimawandel lehnt sie ab. Klimawandel habe es schon immer gegeben, sagte Weidel.
Das Interview fand in Wien statt, wo sich Weidel zu Gesprächen mit der FPÖ aufhielt. Anders als beim ARD-«Sommerinterview» im vergangenen Jahr, das von Protesten gestört worden war, verlief die Aufzeichnung diesmal ohne Zwischenfälle.