Jürgen Klopp hat am Donnerstag auf dem DFB-Campus in Frankfurt seinen ersten Kader als Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft vorgestellt. Dabei trug der 59-Jährige eine Kappe mit dem Ausrüster-Logo in Schwarz-Rot-Gold und der Aufschrift «Einer von 83 Millionen».
Auf die Botschaft hinter der Kappe angesprochen, wurde Klopp ungewohnt politisch: Er sprach über Deutschland, Nationalstolz und Patriotismus. Die Weltwoche dokumentiert seine Antwort im Wortlaut.
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Da stecken ganz viele Botschaften drin, um ehrlich zu sein. Nummer eins, es ist bei der Kappe tendenziell ein bisschen lustig. Das Leben ist ernst genug. Und ich finde, Fussball ohne Spass wäre ein sehr unangenehmer Sport, den brauchen wir nicht spielen, den brauchen wir nicht gucken. Und das müssen wir jetzt schon wieder hinkriegen, dass wir Spass finden an der ganzen Nummer.
Das andere ist, es sind vor Kurzem erst wahnsinnig viele Dinge passiert. Es hat eine Wahl stattgefunden, die manche Leute wahrscheinlich okay fanden, viele andere haben gedacht: «Du lieber Himmel, was passiert denn da?» Ich möchte das nicht zu gross machen und hoffe nicht, dass ich in Zukunft bei Pressekonferenzen sehr, sehr häufig über politische Dinge sprechen muss, weil da bin ich kein Fachmann, da bin ich interessierter Laie, wie die meisten, die dann trotzdem drüber reden. Aber das würde ich ungern tun.
Ich kann aber aus meiner Sportler-Perspektive sagen, dass ich … Ich würde mir oder uns gerne die Fahne zurückholen. Wenn ich ganz ehrlich bin. Ich möchte, dass, wenn man sie schwingt, niemand denkt: Was ist denn mit dir nicht in Ordnung?, sondern dass man einfach nur das Gefühl hat, ja, du bist happy und verstehst, dass du Glück hattest, dass du in diesem wundervollen Land geboren, aufgewachsen, zugezogen und wie auch immer, dass du hier lebst … Das hätte ich schon ganz gerne.
Ich hatte auch mal den Gedanken für mich im Kopf: Ich möchte Nationalstolz nicht den falschen Leuten überlassen, um ehrlich zu sein. Aber ich weiss nicht mal, ob ich das Wort überhaupt so benutzen kann, darf, das bin ich mir gar nicht sicher, ohne dass das falsch verstanden wird. Es wurde mir dann gesagt, man könne das als positiven Patriotismus bezeichnen. Gerne. Ist mir egal.
Ich habe nur – und ich stelle das im Moment im Tagesrhythmus fest – es erfüllt mich mit unheimlich viel Stolz, diese Rolle auszufüllen. Und ich finde tatsächlich, dass wir ein wundervolles Land sind. Und die Kaderzusammenstellung ist so ein bisschen wie die generelle Situation in Deutschland, also ich habe nicht geguckt, was wir nicht haben, sondern ich habe geguckt, was wir haben, von der anderen Seite.
Ich möchte jetzt nicht sagen, dass die Probleme in Deutschland so gelöst werden können. Aber ab und zu mal drauf zu gucken, was wir eigentlich Gutes haben, wäre vielleicht auch für manche Leute durchaus eine Herangehensweise.