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Haben Weidel und Musk recht? Hitler-Biograf schreibt, es sprechen «manche guten Gründe» dafür, den Nationalsozialismus eher links einzuordnen

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Haben Weidel und Musk recht? Hitler-Biograf schreibt, es sprechen «manche guten Gründe» dafür, den Nationalsozialismus eher links einzuordnen
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Der Historiker und Hitler-Biograf Joachim Fest stellte 2003 die bis heute umstrittene These auf, der Nationalsozialismus habe politisch in wesentlichen Punkten mehr mit der Linken und dem Stalinismus gemein gehabt als mit dem italienischen Faschismus. In einem Beitrag für eine Sonderausgabe der linken Taz schrieb Fest, es sprächen «manche guten Gründe» dafür, den Nationalsozialismus eher links als rechts einzuordnen. Zuletzt hatte AfD-Chefin Alice Weidel ihre These wiederholt, dass Hitler ein «Linksradikaler» gewesen ist, ein «Linksextremist». Auf X formulierte Elon Musk die These: «Hitler war ein Sozialist, deshalb sind alle Sozialisten Hitler.»

KAY NIETFELD / KEYSTONE
Alice Weidel vor einem Live-Talk mit Elon Musk auf X
KAY NIETFELD / KEYSTONE

Autor Fest verwies auf Hitlers Idee der «Volksgemeinschaft», auf egalitäre und antibürgerliche Elemente der NS-Bewegung sowie deren antikapitalistische Rhetorik. Hitler habe zwar die Produktionsmittel nicht verstaatlicht, aber gesellschaftliche Klassenunterschiede zurückdrängen und den Einzelnen einem kollektiv definierten Volkskörper unterordnen wollen. Auch Nationalsozialisten und Kommunisten hätten den «Neuen Menschen» propagiert und die bürgerlich-liberale Ordnung bekämpft. Besonders betonte Fest Ähnlichkeiten der beiden totalitären Herrschaftssysteme.

Die historische Forschung ordnet den Nationalsozialismus allerdings überwiegend der extremen Rechten beziehungsweise dem Faschismus zu. Als zentrale Merkmale gelten radikaler Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus, Führerprinzip, Antimarxismus und die Vorstellung einer ethnisch definierten «Volksgemeinschaft». Zugleich weisen Historiker auf antikapitalistische, antibürgerliche und egalisierende Elemente der NS-Ideologie hin, ohne diese deshalb als sozialistisch im klassischen politischen Sinn einzuordnen.

Auch eine von Fest verwendete Aussage Hitlers, wonach dieser «nicht die Betriebe, sondern den Menschen» sozialisiert habe, wurde nach Erscheinen des Artikels hinsichtlich ihrer Quellenlage angezweifelt.

Fests Text bleibt damit weniger eine abschliessende historische Einordnung als eine Provokation gegen einfache politische Schubladen: Nationalsozialismus und Stalinismus standen sich als Todfeinde gegenüber, teilten aber totalitäre Herrschaftsmethoden und den Anspruch, Gesellschaft und Menschen radikal umzuformen.

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