In der CDU wächst die Enttäuschung über Bundeskanzler Friedrich Merz – inzwischen auch unter früheren Anhängern, die ihn jahrelang an die Parteispitze bringen wollten. Besonders deutlich wird Wolfgang Reinhart, ehemaliger Fraktionschef der CDU im baden-württembergischen Landtag. Er sei von Merz «gnadenlos enttäuscht», sagte Reinhart der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). «Wir haben für Merz als Parteivorsitzenden drei Mal wie die Löwen gekämpft.»
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Reinhart wirft dem Kanzler vor, die mit ihm verbundenen Erwartungen nicht erfüllt zu haben. «Er hat seine Versprechen nicht gehalten, weder bei der Performance noch programmatisch und auch nicht mit seiner Persönlichkeit.» In seinem CDU-Kreisverband Main-Tauber seien Mitglieder ausgetreten, andere tief frustriert. Auch die Kabinettsumbildung vor der Sommerpause kritisiert Reinhart scharf: Er nennt sie einen «Witz» und eine «Zwangsrochade».
Dabei gehörte Baden-Württemberg einst zu den Hochburgen der Merz-Unterstützer. Viele Konservative verbanden mit ihm einen wirtschaftsfreundlicheren Kurs, eine strengere Migrationspolitik und Wahlergebnisse von mehr als 30 Prozent. Nach Einschätzung eines erfahrenen CDU-Funktionärs hat sich die Stimmung inzwischen nahezu umgekehrt: Vor acht Jahren hätten etwa 75 Prozent der Mitglieder im Südwesten Merz unterstützt. Heute hielten ihn nur noch 25 Prozent für einen guten Kanzler, während 75 Prozent «tief enttäuscht» seien. Dabei handelt es sich um eine parteiinterne Schätzung, nicht um eine repräsentative Umfrage.
Auch in der Jungen Union ist die Ernüchterung gross. Die sächsische JU-Chefin Stefanie Franzl bezeichnet die neuen Schulden durch das «Sondervermögen Infrastruktur» als «echten Vertrauensbruch» für viele. Ein JU-Mitglied fasst die Kritik so zusammen: Die politischen Überzeugungen seien vorhanden, «aber das politische Handwerk nicht».
Andere frühere Unterstützer halten Merz dagegen die Treue. Der CDU-Abgeordnete Christian von Stetten sieht das Problem bei der SPD: Mit einer eigenen Mehrheit könnten CDU und CSU die Reformen umsetzen, die Merz für notwendig halte. Auch der frühere Ministerpräsident Günther Oettinger sieht keinen Aufstand gegen den Kanzler. «Ich kenne niemanden, der in Baden-Württemberg auf einen Kanzlerwechsel hinarbeitet.» Die Ernüchterung richte sich weniger gegen Merz persönlich als gegen die bisherige Reformpolitik.
Die FAZ zeichnet damit das Bild einer Partei, in der die frühere Begeisterung für Merz deutlich nachgelassen hat. Einen offenen Aufruf zu seiner Ablösung gibt es unter seinen früheren Unterstützern zwar nicht. Doch selbst in Kreisen, die ihn einst gegen Angela Merkels Kurs als Hoffnungsträger sahen, werden inzwischen Zweifel an seiner Amtsführung laut.