Die USA halten offenbar einen Schifffahrtskorridor durch die Strasse von Hormus offen, über den täglich fünfzehn bis zwanzig Tanker die strategisch wichtige Meerenge passieren. Das US-Militär kontrolliere eine südliche Route nahe der Küste Omans und begleite Schiffe auf ihrem Weg in den Persischen Golf und zurück ins Arabische Meer, berichtet die Bild-Zeitung unter Berufung auf US-Medien. «Wir kontrollieren die südliche Route», sagte ein US-Regierungsvertreter dem Nachrichtenportal Axios.
Amirhosein Khorgooi/ISNA/AP/Keystone
Über den Korridor werden gemäss dem Bericht vor allem nachts bis zu zehn Millionen Barrel Rohöl pro Tag transportiert. Das entspreche ungefähr der Hälfte des Volumens vor Beginn des Krieges, als die Schifffahrt durch die Meerenge noch ungehindert möglich war. In einzelnen Nächten sollen sogar bis zu zwanzig Millionen Barrel die Passage passiert haben. Das US-Militär lotst zunächst leere Tanker in den Golf und sichert anschliessend auch deren Ausfahrt mit Öl aus den Golfstaaten.
Dass die Route funktioniert, führen US-Vertreter auch auf frühere amerikanische Angriffe auf iranische Überwachungssysteme zurück. Dabei seien Radar- und Seeüberwachungsanlagen beschädigt oder zerstört worden. Auch zahlreiche Schnellboote der iranischen Revolutionsgarden, die zur Überwachung des Schiffsverkehrs eingesetzt worden seien, seien ausgefallen. Nach amerikanischer Darstellung könne Teheran die nächtlichen Fahrten deshalb zwar weiterhin angreifen, die Meerenge aber nicht vollständig kontrollieren. Zu Wochenbeginn hätten US-Streitkräfte acht Drohnen und zwei Marschflugkörper abgefangen.
Koordiniert werden die Fahrten laut dem Bericht von Fort Bragg im US-Bundesstaat North Carolina. Eine militärische Sondergruppe erstellt dort täglich Listen und Zeitfenster für ein- und auslaufende Schiffe. Die Route soll damit einen Teil der Öltransporte ermöglichen, die durch die Kämpfe um die Strasse von Hormus stark eingeschränkt worden waren.
US-Präsident Donald Trump wertet die Entwicklung als Erfolg. Er sprach von einer «gewaltigen Menge Öl», die inzwischen wieder verschifft werde. Washington und Teheran beanspruchen allerdings beide die Kontrolle über die Strasse von Hormus für sich. Die iranische Führung hatte zuletzt wiederholt erklärt, die Passage unter ihrer Kontrolle zu haben. Die amerikanische Darstellung widerspricht dem nun ausdrücklich.