Die Regierungen der Kantone Thurgau und Zürich stellen sich gegen den Plan des Bundesrats, den Unterricht einer zweiten Landessprache bereits in der Primarschule bundesgesetzlich vorzuschreiben, berichtet die NZZ. Besonders scharf reagiert der Thurgau: Es sei «befremdend, wenn der Bund über eine vorsorgliche Vorlage Druck auf die Kantone auszuüben versucht».
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Der Bundesrat hatte am 12. Juni die Änderung des Sprachengesetzes in die Vernehmlassung geschickt. Er begründet den Schritt mit dem nationalen Zusammenhalt und der Sprachenvielfalt. Die Bevölkerung müsse sich über die Sprachgrenzen hinweg in den Landessprachen verständigen können.
Der Thurgauer Regierungsrat bestreitet jedoch, dass der Bund den Kantonen, gestützt auf die Bundesverfassung, Frühfranzösisch vorschreiben könne. Unterschiedliche Regelungen zum Beginn des Fremdsprachenunterrichts bedeuteten nicht, dass die Harmonisierung des Schulwesens gescheitert sei. Auch Zürich lehnt einen Eingriff in die kantonale Bildungshoheit ab. Die Kantone hätten das Problem erkannt und arbeiteten bereits an einer gemeinsamen Lösung.
Der Konflikt hat sich zugespitzt, nachdem mehrere Deutschschweizer Kantonsparlamente eine Verlagerung des Französischunterrichts auf die Sekundarstufe beschlossen haben. Appenzell Ausserrhoden machte 2025 den Anfang, später folgten Zürich und St. Gallen, im Juni 2026 der Aargau. Die jeweiligen Regierungen müssen die Beschlüsse nun gesetzgeberisch umsetzen.
Der Bundesrat will dem zuvorkommen. Eine Variante seiner Vorlage verlangt bereits auf Primarstufe Englisch und eine zweite Landessprache. Die weniger weit gehende Variante schreibt lediglich eine zweite Landessprache vor; Englisch könnte erst später beginnen. Die Gesetzesänderung werde überflüssig, falls die Kantone an ihrer bisherigen Sprachenstrategie festhielten, hält der Bundesrat fest.
Innenministerin Elisabeth Baume-Schneider hatte eine Abschaffung des Frühfranzösisch als «Affront» gegenüber der Romandie bezeichnet. Bereits 2016 hatte der Bund mit einer Gesetzesänderung gedroht, nachdem mehrere Kantone Frühfranzösisch abschaffen wollten. Damals lenkten die Kantone ein.