Der französische Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon ruft seine Anhänger trotz gewaltsamer Zwischenfälle dazu auf, sich den landesweiten Studentenprotesten anzuschliessen. «Unser Land erlebt die stärkste Bewegung von Schülern und Studenten seit Mai 1968», sagte der 75-Jährige in einem Video.
Die Proteste hatten im September begonnen. Schüler, Studenten und Lehrer fordern mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen. Nach Angaben von Bildungsminister Edouard Geffray wurden inzwischen 400 bis 500 Gymnasien blockiert – rund zehn Prozent aller entsprechenden Schulen Frankreichs. Bei 24 Protestaktionen kam es vergangene Woche zu Vandalismus oder Brandstiftung. Die Weltwoche berichtet.
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Die Regierung wirft Mélenchons Partei La France insoumise (LFI) vor, die Unruhen mit angeheizt zu haben. Das Büro von Premierminister Sébastien Lecornu erklärte, Regierung und Nachrichtendienste teilten die Einschätzung, dass LFI und verbündete Gruppen zur Mobilisierung beigetragen hätten. Mélenchon bezeichnete den Vorwurf, er fördere Gewalt, als «absurd». Stattdessen beschuldigt er die Polizei, Demonstrationen brutal aufzulösen.
Für Mélenchon werden die Proteste zugleich zum Faktor im Präsidentschaftswahlkampf. Laut einer vor Beginn der Unruhen erhobenen Umfrage wollen 47 Prozent der unter 35-Jährigen für ihn stimmen. Gleichzeitig bleibt seine Ablehnung ausserhalb dieses Milieus hoch: 73 Prozent der Befragten erklärten, sie würden ihn mit geringer oder gar keiner Wahrscheinlichkeit wählen.
Mélenchon selbst sieht in der Auseinandersetzung mit der Regierung politischen Rückenwind. Deren Angriffe hätten seiner Bewegung an den Schulen einen deutlichen Popularitätsschub verschafft, schrieb er am Wochenende.