Die Bürokratie bleibt aus Sicht europäischer Unternehmer eines der grössten Hindernisse für Investitionen: 83 Prozent der Befragten einer neuen Studie erklären, die regulatorische Belastung in der EU hemme ihre Investitionstätigkeit. Das geht aus einer Umfrage der Stiftung Familienunternehmen hervor, über die das Handelsblatt berichtet.
Sebastian Gollnow/DPA/Keystone
Für die Untersuchung befragte Edelman Intelligence unter Mitwirkung des Ifo-Instituts 2100 Unternehmer in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Polen und Schweden. Ein grosser Teil davon sind Familienunternehmer unterschiedlicher Unternehmensgrössen. Besonders skeptisch zeigen sich die Befragten in Deutschland. Nur rund die Hälfte rechnet demnach noch damit, dass sich die bürokratische Belastung bis Ende Jahr verbessert.
Die Kosten sind teilweise beträchtlich: Bei 34 Prozent der befragten deutschen Unternehmer verschlingt allein die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben mehr als 7 Prozent des Umsatzes. Dabei hatte EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen den Bürokratieabbau und die Stärkung des Binnenmarktes zu zentralen Vorhaben ihrer zweiten Amtszeit erklärt.
Als Beispiel für die Probleme nennen Unternehmer die europäische Verpackungsverordnung. Trotz des Ziels einheitlicher Regeln müssen sich Firmen, die ihre Waren innerhalb der EU grenzüberschreitend vertreiben, grundsätzlich in den jeweiligen nationalen Registern erfassen lassen. Anpassungen und Ausnahmen für Kleinhersteller sind inzwischen vorgesehen.
«Europa verspricht einen einheitlichen digitalen Binnenmarkt, liefert in der Praxis aber häufig 27 nationale Sonderwege», kritisiert Harald Marquardt, Vorstandsvorsitzender der Marquardt-Gruppe. Sein Unternehmen beschäftige seit 2024 ein fünfköpfiges Team mit der Umsetzung der elektronischen Rechnungsstellung und müsse dennoch unterschiedliche nationale Vorgaben erfüllen.
Grundsätzlich halten die Befragten am Binnenmarkt fest. Ihr Vertrauen in die Fähigkeit der EU-Institutionen, die versprochene Entlastung tatsächlich durchzusetzen, fällt laut Studie jedoch deutlich geringer aus.
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