Die Affäre um Granit Xhakas gefälschtes Impfzertifikat hat die Corona-Debatte in der Schweiz neu entfacht. Nun stellt sich der Tages-Anzeiger gegen eine moralische Abrechnung mit dem Nati-Captain und der Pandemiezeit. Bundeshausredaktor Markus Brotschi fordert, Xhaka müsse zwar die strafrechtlichen Konsequenzen seines Handelns tragen – danach solle die Sache aber beendet sein. «Verschont das Land mit dieser moralischen Aufarbeitung der Corona-Zeit», lautet sein Fazit.
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Xhaka hatte während der Pandemie nach Darstellung des Kommentars Bedenken, eine Impfung könne seine körperliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Zugleich habe er Journalisten über seinen Impfstatus belogen. Brotschi erinnert an den damaligen Bayern-Star Joshua Kimmich, der seine Impfskepsis offen kommunizierte und dafür heftige Kritik einstecken musste. Selbst hochrangige Politiker hätten sich damals eingeschaltet.
Die inzwischen aufgekommene Frage, ob Xhaka weiterhin Captain der Schweizer Nationalmannschaft sein könne, hält Brotschi für verfehlt. Profi-Fussballer hätten zwar eine Vorbildfunktion, müssten aber nicht unfehlbar sein. Xhaka sei Fussballer und «nicht Bundesrat und schon gar nicht eine moralische Instanz». Anders sei die Lage bei Politikern, die selbst Regeln erliessen und anschliessend dagegen verstiessen.
Der Autor wendet sich dabei gegen beide Lager der alten Corona-Debatte. Der Fall eigne sich weder zur späten Genugtuung für jene, die sich an die damaligen Vorschriften hielten, noch als Beleg dafür, dass die Corona-Regeln grundsätzlich absurd gewesen seien. Eine erneute gesellschaftliche Abrechnung mit der Pandemiezeit lehnt er ab.
Brotschi betont, er selbst habe sich aus Überzeugung mehrfach impfen lassen. Trotzdem hätten viele Menschen genug von diesem Nachspiel. Nicht jeder, der Impfung und Corona-Regeln unterstützt habe, wolle Jahre später erneut darüber streiten, welcher Prominente damals gegen welche Vorschrift verstossen habe. Sein Plädoyer ist entsprechend eindeutig: Xhaka soll sich für den mutmasslichen Zertifikatsbetrug strafrechtlich verantworten – eine neue moralische Corona-Debatte brauche es deshalb nicht.