Island galt lange als letzte mückenfreie Bastion der bewohnten Welt. Nun wurde diese Ausnahmestellung gebrochen: In Kiðafell, rund 30 Kilometer nördlich von Reykjavík, sind erstmals drei Exemplare der Mückenart Culiseta annulata in freier Wildbahn nachgewiesen worden. Das bestätigte das Naturwissenschaftliche Institut Islands, wie der Sender CNN berichtet.
mosquito on human skin at sunset
Entdeckt wurden die Insekten von Björn Hjaltason, der die ungewöhnliche Fliege bei Einbruch der Dämmerung bemerkte. Entomologe Matthías Alfreðsson identifizierte die Tiere später eindeutig als Mücken – zwei Weibchen, ein Männchen. Zwar wurde vor Jahren bereits ein einzelnes Exemplar einer anderen Art am Flughafen Keflavík gefunden, doch nun handelt es sich erstmals um frei lebende Tiere.
Die Art Culiseta annulata ist weitverbreitet in der nördlichen Hemisphäre und gilt als kälteresistent. «Erwachsene Tiere können sich in geschützten Bereichen durch den Winter retten», so Alfreðsson zu CNN. Ob sie auch den isländischen Winter überleben und sich etablieren können, wird erst das Frühjahr zeigen. Vermutet wird, dass die Mücken per Schiff oder in Containern auf die Insel gelangten.
Die Entdeckung wirft Fragen zum Einfluss des Klimawandels auf. Island erlebte zuletzt ungewöhnlich hohe Temperaturen – im Mai lagen diese teils mehr als 10 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel. Laut Weltwetteranalyse wurde diese Hitze mit 40-fach erhöhter Wahrscheinlichkeit durch den Klimawandel begünstigt.
Forscher mahnen zur Zurückhaltung: «Wir wissen noch zu wenig über die Verschiebung der Mückenverbreitung», so Epidemiologe Colin J. Carlson von der Yale University. Zwar könne der Klimawandel die Ansiedlung begünstigen, ein direkter Zusammenhang sei aber nicht gesichert.