Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat den staatlichen Gasimporteur Sefe angewiesen, zusätzliches Erdgas einzuspeichern – nachdem ihr Ministerium einen solchen Eingriff vor zwei Wochen noch ausdrücklich ausgeschlossen hatte. «Eine Anordnung kann gar nicht stattfinden», hatte ein Ministeriumssprecher am 16. September erklärt. Wie Apollo News unter Berufung auf das Handelsblatt berichtet, fiel die Entscheidung am Dienstagabend und war mit Bundeskanzler Friedrich Merz abgestimmt.
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Sefe, das vollständig dem Bund gehört, hatte bereits Mitte September zusätzliches Gas gekauft. Das Unternehmen betonte damals jedoch, dies sei eine «eigenständige kommerzielle Geschäftsentscheidung» und keine Anweisung der Regierung. Auch das Wirtschaftsministerium erklärte, die Vorsorge für den Winter bleibe Sache des Marktes.
Nun greift Reiche doch ein. Hintergrund sind vergleichsweise niedrige Speicherstände. Am 29. September waren Deutschlands Gasspeicher zu rund 58 Prozent gefüllt. Anfang September lag der Wert bei etwa 53 Prozent – nach Angaben des Speicherverbands Ines der niedrigste Stand zu diesem Zeitpunkt seit Beginn der Aufzeichnungen vor fünfzehn Jahren. Ab dem 1. November müssen die meisten Speicher einen Füllstand von mindestens 80 Prozent erreichen. Für sechs Speicher gelten Sonderregeln mit einer Vorgabe von 45 Prozent.
Zusätzlichen Druck erzeugen die gestiegenen europäischen Gaspreise infolge des Iran-Kriegs und der weitgehenden Unterbrechung des Energieverkehrs durch die Strasse von Hormus. Zugleich war das Einlagern von Gas für Händler längere Zeit wirtschaftlich wenig attraktiv, weil der Preisunterschied zwischen Sommer und Winter zu gering ausfiel.
Eine akute Gasmangellage sieht die Bundesnetzagentur dennoch nicht. Sie bezeichnete die Gasimporte am 29. September als stabil. Deutschland befindet sich weiterhin lediglich in der Frühwarnstufe des Notfallplans Gas.