Hans-Joachim Watzke fordert den Rücktritt von Fifa-Präsident Gianni Infantino und verschärft damit den Konflikt zwischen Europas Fussballfunktionären und dem Weltverband. «Die drei Dinge, die da passiert sind, das war zu viel», sagte der Präsident der Bundesliga beim «Big Bang KI-Festival» in Berlin. «Er sollte weg, ohne Wenn und Aber.»
FLORIAN WIEGAND / KEYSTONE
Watzke, zugleich DFB-Vizepräsident und Mitglied des Uefa-Exekutivkomitees, begründete seinen Vorstoss mit drei Vorgängen. Er kritisierte zunächst einen von Infantino geschaffenen Fifa-Friedenspreis für US-Präsident Donald Trump. Zudem beanstandete er die Aufhebung einer Sperre gegen US-Nationalspieler Folarin Balogun. Dieser hatte bei der WM Rot gesehen; laut dem Bericht wurde die Sperre nach einem Anruf Trumps bei Infantino aufgehoben.
Besonders scharf wandte sich Watzke gegen einen inzwischen gescheiterten Investorendeal. Infantino hatte demnach geplant, 20 Prozent der kommerziellen Rechte an Wettbewerben wie der Männer- und der Frauen-WM sowie der Klub-WM für 20 Milliarden Dollar an einen US-Investor zu verkaufen. Nach Watzkes Darstellung waren weder die Fifa-Vizepräsidenten noch der Fifa-Rat eingeweiht. «Die Fifa sitzt auf einem riesigen Geldberg, der eigentlich uns gehört, den Nationalverbänden. Und wofür dann Investoren?», sagte er. Uefa, Concacaf und der asiatische Verband AFC verhinderten das Vorhaben laut Bericht und drohten andernfalls mit einem WM-Boykott.
Damit geht Watzke deutlich weiter als noch vor einer Woche, als er einen freiwilligen Rückzug Infantinos lediglich für «denkbar» erklärt hatte. Nach einer Sitzung des Uefa-Exekutivkomitees erklärte er nun, Infantino müsse «jetzt idealerweise weg».
Infantino führt die Fifa seit 2016 und will beim Kongress im März 2027 in Rabat erneut kandidieren. Die Uefa will laut Bericht bis zum Ende der Bewerbungsfrist am 18. November einen Gegenkandidaten präsentieren.