Russland hat der Nato mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht, sollte ein Mitgliedstaat versuchen, die russische Exklave Kaliningrad vom übrigen Staatsgebiet abzuschneiden. In einem inoffiziellen Schreiben an das Bündnis kündigt Moskau laut einem Bericht der Financial Times an, in diesem Fall «das gesamte Arsenal der ihm zur Verfügung stehenden Kräfte und Mittel einsetzen – einschliesslich Atomwaffen».
Sputnik
Im Schreiben wirft Moskau der Nato einen «gefährlichen und rücksichtslosen Kurs» vor. Russland behauptet, Manöver in der Ostsee und die Nato-Mission «Baltic Sentry» dienten der Vorbereitung einer möglichen Blockade Kaliningrads. Für den Fall eines militärischen Konflikts stellt das Schreiben zudem russische Angriffe auf «Entscheidungszentren» in Nato-Staaten in Aussicht.
Die Nato wies die Vorwürfe zurück. Sprecherin Allison Hart bezeichnete die Drohung als «unverantwortliche nukleare Rhetorik». Das Bündnis sei defensiv ausgerichtet und bedrohe russisches Territorium nicht. Zugleich werde die Unterstützung der Ukraine fortgesetzt; die Nato verfüge über die Mittel, «jeden Zentimeter» ihres Bündnisgebiets zu verteidigen. Kremlsprecher Dmitri Peskow verteidigte dagegen die russische Position. Europas «Hitzköpfe» müssten an die russischen Grundsatzdokumente erinnert werden, sagte er laut russischen Agenturen.
Kaliningrad liegt zwischen den Nato-Staaten Polen und Litauen an der Ostsee und ist vom russischen Kernland getrennt. Russland hat die Exklave stark militarisiert und dort unter anderem atomwaffenfähige Iskander-Raketen stationiert. Die Drohung fällt in eine Phase zunehmender Spannungen zwischen Russland und der Nato. Zuletzt hatte Belgiens Verteidigungsminister Theo Francken vor einem «dunklen Winter» für Europa und einer Zunahme russischer Sabotage, Cyberangriffe und Desinformationskampagnen gewarnt.