Manchmal, wenn es darum geht, was uns die Zukunft bringen könnte, werden die Diskussionen komplex. Zu komplex. Alles, was mit morgen zu tun hat, ist immer mit Fragezeichen verbunden. Das hat die Zukunft als Konstante an sich. Mit Garantie.
So ist es auch mit der Neutralitätsinitiative, die zur Abstimmung kommt. Ich habe über sie gelesen, was zu lesen war. Und tief im Innern nach einem Grund gesucht, der meine Argumente für ein Ja betonieren könnte. Ich habe dieses Argument gefunden. Wer dagegen ist, dass die Neutralität in unserer Verfassung verankert wird, ist ganz einfach auch gegen die Liebe! Er ist für das Komplexe, für das Komplizierte, er ist dafür, möglichst viele Partner in seinem Leben haben zu dürfen. Er lehnt es ab, sein Leben nur mit einem einzigen Partner zu verbringen. Ein moderner Mensch, der von einer Beziehung zur nächsten flattert.
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Nun ist es selbstverständlich, dass es auch erlaubt ist, in seinem Leben viele, sogar sehr viele Partner zu haben. Ich bezweifle allerdings, dass diese Einstellung etwas mit Liebe zu tun hat.
Die Schweiz ist das Produkt ihrer Neutralität. Eine Schweiz, die es ablehnt, Rosinenpickerin zu sein, was ihr die Neutralitätsgegner vorwerfen, ist keine Schweiz mehr wie wir sie kennen. Die Neutralität war immer mehr eine Rosine im Streitkuchen der Mächte, ihr moralischer Wert fragwürdig. Sie hat uns vor Kriegen bewahrt, sie hat nie garantiert, dass es keine Kriege gibt. Sie hat sogar verstanden, dass sie sogar Kriege braucht, um alle ihre Vorteile auszuleben. Schlitzohrig.
Es ist exakt wie mit der Liebe. Liebe ist, sie nicht aufs Spiel zu setzen. Liebe ist, seinen Partner in seiner natürlichen Entwicklung zu lieben. Auch seine grauen Haare, seine Falten, seine Launen. Und auf die vielen kleinen Abenteuer zu verzichten, die sie gefährden würden.
Die Schweiz ist nicht perfekt. Ihre Neutralität nicht in der Verfassung zu betonieren, heisst, sie in Frage zu stellen. Das, was sie war, das, was sie ist.
Der alte Mann über dem Zürichsee, der sie so leidenschaftlich verteidigt, verteidigt die Liebe, seine Liebe. Was sind wir, die in seiner Liebe leben, ihn in Frage zu stellen?
Natürlich, die Frage der Neutralität in einen derart sinnlichen Kontext zu stellen, ist Ausdruck dafür, die Dinge zu vereinfachen. Sicher. Doch die Frage der Neutralität mit komplexen Argumenten zu komplizieren, heisst auch, seine alte Frau, seinen alten Mann mit einem kleinen Abenteuer zu betrügen.
Darum ist es so einfach. Ein Ja zur Neutralitätsinitiative ist wie ein Ja zur Liebe.