Deutschland ist zwei Jahre nach der Teillegalisierung zum grössten regulierten Cannabismarkt Europas geworden. Die legalen Importe haben sich seit 2024 versechsfacht, berichtet die Financial Times unter Berufung auf Daten des Bundesgesundheitsinstituts. Allein im ersten Quartal dieses Jahres stiegen die Einfuhren von medizinischem Cannabis auf 50.539 Kilogramm – Anfang 2024 waren es noch 8143 Kilogramm.
Bernd von Jutrczenka/DPA/Keystone
Die damalige Regierung von Bundeskanzler Olaf Scholz hatte Cannabis 2024 teilweise legalisiert. Erwachsene dürfen seither begrenzte Mengen besitzen und selbst anbauen; zugleich wurde der Zugang zu medizinischem Cannabis erleichtert. 2025 waren laut einer Studie der Universität Hamburg mehr als 200 Tonnen Cannabis in Deutschland verfügbar, davon lediglich 2,6 Tonnen aus heimischer Produktion. Der Markt erreichte nach Angaben des Analyseunternehmens Prohibition Partners einen Wert von 997 Millionen Dollar.
Die Bilanz der Reform fällt gemischt aus. Der illegale Markt schrumpfe, während der Gesamtkonsum kaum verändert sei, erklärte der Hamburger Forscher Jakob Manthey, der an einer zweijährigen Evaluation beteiligt war. Zugleich seien die mit Cannabis verbundenen Spitaleinweisungen gestiegen, was die Forscher unter anderem auf immer potentere Produkte zurückführen. Manthey kritisiert zudem, Hersteller nutzten «regulatorische Lücken» und vermarkteten Produkte, für deren Wirkung es keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege gebe.
In der Bundesregierung wächst deshalb der Druck auf eine Verschärfung. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) bezeichnete das Cannabisgesetz als «ein echtes Scheissgesetz» und wirft ihm vor, Prävention und Strafverfolgung geschwächt zu haben. Das Gesundheitsministerium hat bereits einen Gesetzentwurf vorgelegt, der den Zugang zu medizinischem Cannabis erschweren und einen Missbrauch zu Genusszwecken verhindern soll. Die SPD lehnt die geplanten Änderungen allerdings ab. Im Herbst soll der Bundestag darüber beraten.