Seco-Chefin Helene Budliger Artieda warnt vor einem wachsenden Bruch zwischen der Schweizer Wirtschaft und der Bevölkerung und fordert das Land auf, seine wirtschaftlichen Stärken entschlossener zu verteidigen. «Offenbar versteht die Bevölkerung nicht mehr, was der Nutzen einer wirklich starken Wirtschaft ist. Und der Wirtschaft gelingt es nicht mehr, der Bevölkerung zu vermitteln, was sie braucht, damit sie Arbeitsplätze schaffen kann», sagte die Staatssekretärin dem Tages-Anzeiger.
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Budliger sieht die Schweiz in einer veränderten Weltwirtschaft unter Druck. Die Welt sei multipolar geworden, grosse Staaten setzten zunehmend die Macht ihrer Binnenmärkte ein, während d2as Regelwerk der Welthandelsorganisation geschwächt sei. «Ich glaube, die ganze westliche Welt steckt in einer Identitätskrise», sagte sie. Europa habe nach dem Ende des Kalten Krieges vieles «zu rosarot gesehen» und vermutlich zu stark darauf vertraut, dass sich alle an gemeinsame Regeln hielten.
Einen wirtschaftlichen Abstieg der Schweiz hält die Seco-Chefin dennoch nicht für unausweichlich. Das Land sei geopolitisch ausgezeichnet positioniert, müsse aber seine «Hausaufgaben machen». Dazu zählt Budliger eine aktivere Handelspolitik, mehr Digitalisierung und vor allem einen Abbau der Bürokratie.
Nach Berechnungen des Seco müssen Schweizer Unternehmen derzeit 36.268 Verpflichtungen erfüllen, wenn sie sämtliche Vorschriften einhalten wollen. Rund 90 Prozent davon entfielen auf Kontrollen, Rapporte und Berichte. Seit 2005 sei die Zahl der Verpflichtungen um 50 Prozent gestiegen. «Wir sind heute an einem Punkt, an dem die Firmen sagen: Langsam können wir nicht mehr», erklärte Budliger.
Auch die Unternehmen selbst nimmt sie in die Pflicht. Der Privatsektor habe sich teilweise aus der politischen Diskussion zurückgezogen. Das gefährde eine traditionelle Stärke des Landes: den direkten Austausch zwischen Wirtschaft, Politik und Bevölkerung. Budligers Rezept gegen einen möglichen Abstieg ist deshalb nicht nur wirtschaftspolitisch: «Ich glaube, wir müssen wieder zusammenfinden.»