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«Die Supermächte müssen verstehen, dass sich die Dinge verändert haben»: Uno-Generalsekretär António Guterres sieht China, Indien und die Golfstaaten auf dem Vormarsch

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«Die Supermächte müssen verstehen, dass sich die Dinge verändert haben»: Uno-Generalsekretär António Guterres sieht China, Indien und die Golfstaaten auf dem Vormarsch
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Die Kriege in der Ukraine und gegen den Iran zeigen nach Ansicht von Uno-Generalsekretär António Guterres, dass selbst Supermächte ihren Willen militärisch nur begrenzt durchsetzen können. «Es ist Zeit, dass die Supermächte die Grenzen ihrer Macht verstehen», sagte Guterres in einem Interview mit der Financial Times (FT). Die Fähigkeit grosser Mächte, anderen Staaten ihren Willen oder ihre Stärke aufzuzwingen, sei in mehreren Konflikten «stark eingeschränkt» worden.

George Christoforou/EPA/Keystone
Uno-Generalsekretär António Guterres an einer Medienkonferenz (Symbolbild)
George Christoforou/EPA/Keystone

Als Beispiele nennt Guterres Russland und die USA. Moskau habe 2022 mit der Erwartung angegriffen, die Ukraine innerhalb weniger Tage bezwingen zu können. Auch Washington habe auf eine schnelle Entscheidung gesetzt, als die USA und Israel den Iran im Februar angriffen. Sechs Monate später halte sich die iranische Führung weiter an der Macht. «Die Supermächte müssen verstehen, dass sich die Dinge verändert haben, dass sich das Gewicht verschiedener Länder verändert hat», sagte Guterres der FT.

Der 77-Jährige sieht darin einen Ausdruck des Übergangs von der amerikanisch dominierten Ordnung nach dem Kalten Krieg zu einer multipolaren Welt. Neben China gewinnen nach seiner Einschätzung auch Staaten wie Indien und die reichen Golfstaaten an Einfluss. Internationale Institutionen müssten diese Verschiebung abbilden. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass «mehr Multipolarität zu mehr Wettbewerb und schliesslich zu mehr Konfrontation führt». Als Warnung verweist Guterres auf Europa vor 1914: Auch damals habe eine multipolare Ordnung bestanden – ohne Institutionen, die den Wettbewerb der Mächte ausreichend einhegten.

Reformbedarf sieht er besonders beim Uno-Sicherheitsrat. Dass drei der fünf Vetomächte – Frankreich, Grossbritannien und Russland – europäische Staaten seien, hält Guterres für nicht dauerhaft tragfähig. Der Sicherheitsrat müsse sich dem veränderten Gewicht der Weltmächte anpassen. Zugleich räumt er die gegenwärtige Schwäche der Uno ein: Das Gremium sei wegen der Gegensätze zwischen den Vetomächten «praktisch gelähmt», der Einfluss der Vereinten Nationen dadurch «dramatisch geschrumpft». Dennoch sieht Guterres die Uno nicht als Auslaufmodell: Ihre wichtigste Leistung seit ihrer Gründung sei es, einen Krieg zwischen den Supermächten verhindert zu haben.

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