Ich bin Kurdin aus Syrien. Im Jahr 2013 musste ich mit meiner Familie wegen des Krieges meine Heimat verlassen. Damals habe ich nicht darüber nachgedacht, was Neutralität bedeutet. Ich habe erlebt, was Krieg mit Menschen macht. Ich habe erlebt, wie schnell Sicherheit, Alltag und Zukunft zu etwas Unsicherem werden können. Hinter politischen Konflikten stehen für mich deshalb nicht zuerst Staaten oder Grenzen, sondern Menschen. Familien, Kinder, Eltern und Menschen, die plötzlich ihre Heimat verlieren.
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Als ich in die Schweiz kam, habe ich mit der Zeit verstanden, dass vieles, was für die Menschen hier selbstverständlich ist, für jemanden mit meiner Geschichte etwas ganz Besonderes sein kann. Sicherheit, Stabilität, Demokratie und die Möglichkeit, seine Meinung frei zu sagen, sind keine Selbstverständlichkeit. Je mehr ich mich mit der Schweiz beschäftigt habe, desto mehr hat mich deshalb auch die Neutralität interessiert. Ich wollte verstehen, weshalb dieses kleine Land mitten in Europa über so lange Zeit seinen eigenen Weg gehen konnte.
Für mich bedeutet Neutralität nicht, dass die Schweiz wegschaut, wenn irgendwo auf der Welt Menschen leiden. Im Gegenteil. Ich glaube, dass die Schweiz gerade als neutrales Land eine besondere Verantwortung übernehmen kann. Sie kann helfen, vermitteln und Brücken bauen. Sie muss nicht auf der Seite eines Staates stehen, um auf der Seite der Menschen zu stehen. Dieser Unterschied ist mir persönlich sehr wichtig. Ich wünsche mir eine Schweiz, die solidarisch mit Menschen ist, die in Not geraten, aber ihre politische Unabhängigkeit bewahrt.
Deshalb unterstütze ich die Neutralitätsinitiative. Ich bin überzeugt, dass die dauernde und bewaffnete Neutralität nicht einfach ein Relikt aus der Vergangenheit ist. Sie gehört für mich zu dem, was die Schweiz besonders macht. Sie gibt unserem Land eine eigenständige Stimme und ermöglicht es, gegenüber verschiedenen Konfliktparteien glaubwürdig aufzutreten. Gerade in einer Zeit, in der die Welt immer stärker polarisiert ist, brauchen wir Orte, an denen noch miteinander gesprochen werden kann. Die Schweiz kann ein solcher Ort sein. Dafür muss sie aber ihre Neutralität glaubwürdig und verlässlich bewahren.
Als junge Frau denke ich dabei auch an die Zukunft. Wir entscheiden heute, welches Land wir der nächsten Generation hinterlassen. Ich möchte meinen Kindern und den kommenden Generationen eine Schweiz hinterlassen, die ihre Entscheidungen selbst treffen kann, die sich nicht von den Interessen grosser Mächte abhängig macht und die trotzdem Verantwortung für die Welt übernimmt. Für mich widersprechen sich Neutralität und Solidarität nicht. Im Gegenteil: Die Schweiz kann neutral gegenüber Staaten sein und solidarisch mit den Menschen.
Ich habe meine Heimat wegen eines Krieges verloren. Vielleicht ist genau das der Grund, weshalb ich heute den Frieden und die Stabilität der Schweiz so sehr schätze. Ich weiss, dass Frieden nichts Selbstverständliches ist. Und ich weiss auch, wie wertvoll ein Land ist, in dem man sicher leben und seine Zukunft selbst gestalten kann. Deshalb möchte ich nicht, dass die Schweiz ihre besondere Rolle leichtfertig aufgibt.
Für mich ist Neutralität keine Schwäche und kein Rückzug aus der Welt. Sie ist eine Form von Stärke. Die Stärke, einen eigenen Weg zu gehen. Die Stärke, nicht jeden Konflikt zum eigenen Konflikt zu machen. Und die Stärke, Brücken zu bauen, wenn andere nur noch Fronten sehen.
Ich wünsche mir eine Schweiz, die auch in Zukunft sagen kann: Wir haben keinen Feind. Wir sind nicht Partei. Aber wir sind da, wenn Menschen Hilfe brauchen. Genau diese Schweiz möchte ich bewahren.
Roshina Watti ist 21 Jahre alt, Studentin, Fraktionssekretärin der SVP Stadt Zürich und im Kantonalvorstand der Jungen SVP Zürich.