Der frühere deutsche Aussenminister Sigmar Gabriel fordert direkte Gespräche Europas mit Russlands Präsident Wladimir Putin über einen möglichen Waffenstillstand in der Ukraine. Im Gespräch mit dem stellvertretenden Chefredakteur der Bild-Zeitung Paul Ronzheimer erklärte der SPD-Politiker, die bisherigen Vermittlungsbemühungen der USA hätten keinen Erfolg gebracht.
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«Leider haben alle diese Verhandlungen nichts gebracht. Im Gegenteil, oftmals wurde die Ukraine nach den Treffen von Trump und Putin oder ihren Telefonaten umso heftiger bombardiert», sagte Gabriel. Deshalb müsse nun Europa selbst aktiv werden. «Die Fakten lauten: Er (Putin, Red.) führt weiter einen ziemlich brutalen Krieg. Und wenn es parallel dazu Initiativen gibt, zu einem Waffenstillstand zu kommen, warum sollen wir die nicht ergreifen?»
Nach Ansicht des ehemaligen SPD-Vorsitzenden sollten die europäischen Staaten gemeinsam festlegen, wer ein Verhandlungsmandat gegenüber Moskau erhält. Auch der Einsatz von Vermittlern sei denkbar. Als mögliche Gesprächspartner nannte Gabriel die frühere deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie den finnischen Präsidenten Alexander Stubb. Auf den Hinweis, Merkel habe eine solche Rolle bereits abgelehnt, entgegnete er: «Es würde mich wundern, wenn die Europäer Angela Merkel bitten würden, dass sie dann nein sagt.»
Zugleich sprach sich Gabriel dafür aus, die Tür für direkte europäische Kontakte zum Kreml offenzuhalten. Mit Blick auf Äusserungen Putins über eine mögliche Vermittlerrolle Gerhard Schröders sagte er: «Die Europäer wären dumm, wenn sie jetzt nicht versuchen würden, den Fuss in die Tür zu bekommen.»
Der frühere Aussenminister verteidigte zudem den Russland-Kurs Angela Merkels vor dem Krieg. Die damalige Kanzlerin habe bereits 2021 vorgeschlagen, eine kleine europäische Gruppe für Verhandlungen mit Putin einzusetzen. «In Wahrheit hat sie recht gehabt. Das war das letzte Mal, dass wir eine Chance gehabt hätten, selber zu verhandeln», sagte Gabriel. Nachdem Europa diese Möglichkeit nicht genutzt habe, hätten die USA die Führung übernommen.
Mit Blick auf Deutschland warnte Gabriel davor, Putins Kenntnis der deutschen Politik zu unterschätzen. «Ich glaube, dass er am meisten auf den Deutschen schaut, der kennt uns ziemlich gut. Manchmal besser als wir selber», erklärte der SPD-Politiker. Putin habe lange gehofft, Deutschland aus dem westlichen Bündnis herauslösen zu können.
Scharfe Kritik übte Gabriel an der AfD. Die Partei verbreite die Vorstellung eines geopolitischen Bündnisses zwischen Deutschland und Russland gegen die USA. «Diesen Unsinn erzählt bei uns die AfD, und das ist der Grund, warum Putin die AfD auch gerne fördert», sagte der ehemalige Aussenminister.