Europas Autoindustrie droht nach Einschätzung des spanischen Zulieferers Gestamp zu einem Risiko für den Wohlstand des gesamten Kontinents zu werden. Gestamp-Chef und -Gründer Francisco Riberas warnt, Europa könne mit der Autobranche zugleich einen wesentlichen Teil seiner industriellen Basis verlieren. «Die Autoindustrie ist der Anker für viele andere Industrien – Stahl, Aluminium, Glas, die chemische Industrie und so weiter», sagte Riberas der Financial Times. Ein Niedergang könne deshalb weit über die Autobauer hinausreichen.
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Die Zahlen zeigen den Druck: Seit dem weltweiten Produktionshoch 2017 ist die Fahrzeugproduktion in Europa laut Riberas um 20 bis 25 Prozent eingebrochen. Besonders betroffen ist Deutschland als grösster Autoproduzent Europas. Die Branche steht für rund 7 Prozent der europäischen Wirtschaftsleistung und sichert fast 14 Millionen Arbeitsplätze. Gleichzeitig setzen technologisch fortgeschrittene und günstigere chinesische Konkurrenten wie BYD und SAIC europäische Hersteller unter Druck.
Riberas sieht chinesische Investitionen dennoch nicht grundsätzlich als Gefahr. Entscheidend sei, dass chinesische Hersteller ihre Fahrzeuge tatsächlich in Europa produzierten und Arbeitsplätze schafften. Problematisch werde es, wenn lediglich die Endmontage nach Europa verlagert werde, während sämtliche Komponenten weiterhin aus China kämen. «Wenn sich herausstellt, dass wir hier nur die Autos zusammenbauen, während alle Komponenten aus China kommen, haben wir die gesamte Wertschöpfungskette zerstört», warnte er. Traditionell kämen auf einen Arbeitsplatz in einem europäischen Autowerk drei Stellen bei Zulieferern.
Die EU reagiert mit dem geplanten «Industrial Accelerator Act». Dieser soll Mitgliedstaaten unter anderem ermöglichen, chinesische Direktinvestitionen von mehr als 100 Millionen Euro in bestimmten strategischen Branchen zu blockieren. Für Subventionen und öffentliche Aufträge ist zudem eine Quote von 70 Prozent europäischer Komponenten vorgesehen. Peking wirft Brüssel deshalb Protektionismus vor.
Riberas hält Schutzmassnahmen dagegen für notwendig, um Europa Zeit für den Umbau zu verschaffen. «Mit jedem Tag gehen mehr Unternehmen unter», sagte er. Verlorene industrielle Strukturen kämen nicht zurück. Europa müsse deshalb massiv in Technologie, Digitalisierung und künstliche Intelligenz investieren. Seine Warnung fällt entsprechend grundsätzlich aus: Europa sei zwar wohlhabend, doch «unser Wohlstand wird nicht von Dauer sein», wenn der Kontinent seine industrielle Wettbewerbsfähigkeit nicht zurückgewinne.