Fast jeder dritte international tätige deutsche Mittelständler aus der Industrie erwägt, in den kommenden fünf Jahren Produktion ins Ausland zu verlagern. Das geht aus dem «Internationalisierungsbericht» der staatlichen Förderbank KfW hervor, für den im Januar 1700 Unternehmen befragt wurden, darunter rund 600 mit Auslandsgeschäft. Von diesen haben im Industriesektor bereits 8 Prozent in den vergangenen fünf Jahren Produktionsteile verlagert, weitere 29 Prozent planen diesen Schritt, berichtet die Welt.
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KfW-Chefökonom Dirk Schumacher spricht von einem deutlichen Alarmsignal: «Wenn auch nur die Hälfte dieser Unternehmen ihre Pläne realisiert, würden wir zukünftig eine deutlich stärkere Verlagerung sehen als in der Vergangenheit. Dies ist ganz klar ein Warnzeichen.» Als einen Grund nennt Schumacher die gesunkene Attraktivität Deutschlands als Wirtschaftsstandort.
Hinzu kommen Veränderungen im Welthandel. Nach Einschätzung der KfW treffen die zunehmende Konkurrenz aus China und die hohen US-Zölle den stark internationalisierten deutschen Mittelstand besonders. Seit 2022 stagnieren dessen Auslandsumsätze. Wachstum verzeichnen die Unternehmen derzeit vor allem im europäischen Markt. 19 Prozent der befragten Firmen wollen ihre Exporte stärker auf den EU-Binnenmarkt ausrichten oder haben dies bereits getan. Unter den Industriebetrieben beträgt der Anteil 24 Prozent.
Kurzfristig hat sich die Stimmung der deutschen Exporteure zwar aufgehellt. Der Ifo-Index der Exporterwartungen erreichte im August den höchsten Stand seit Anfang 2022, auch die Ausfuhren legten im zweiten Quartal überraschend kräftig zu. Die KfW sieht darin jedoch keine Entwarnung. Schumacher verweist auf Demografie, Energiekosten, die Konkurrenz aus China und die US-Zölle als längerfristige Belastungen. Unter den bereits im Ausland aktiven Unternehmen erwarten 30 Prozent in den kommenden vier Jahren sinkende Umsätze; lediglich 24 Prozent rechnen mit Zuwächsen.