Der frühere Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, ist am Dienstagmorgen wegen des Verdachts auf Spionage und Landesverrat festgenommen worden. Nach Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung ermittelt der Generalbundesanwalt gegen den 80-Jährigen unter anderem wegen landesverräterischer Ausspähung, versuchten Landesverrats und geheimdienstlicher Agententätigkeit.
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Beamte des Bundeskriminalamts nahmen Hanning in seinem Haus in Nordwalde bei Münster fest. In Bayern wurde zudem sein früherer Büroleiter Manfred D. verhaftet, der bis Frühjahr 2026 beim BND arbeitete. Er soll Hanning bis mindestens 2022 gegen Bezahlung mit streng geheimen Unterlagen versorgt haben. Insgesamt geht es den Recherchen zufolge um rund 2000 Dokumente.
Darunter sollen sich Briefings für die wöchentliche Nachrichtendienst-Lage im Kanzleramt sowie sensible Berichte zum iranischen Atomprogramm und zur russischen Armee befinden. Auch Erkenntnisse ausländischer Partnerdienste sollen betroffen sein. Die Ermittler vermuten, dass Hanning auf Grundlage des Materials mindestens einmal eine Sicherheitsanalyse für einen ausländischen Nachrichtendienst erstellt und in einem weiteren Fall interne Erkenntnisse im Kontakt mit einem ausländischen Agenten verwendet habe. Um Russland soll es dabei nicht gehen.
Auf die Unterlagen stiessen Ermittler offenbar bei einer Durchsuchung Hannings im September 2025 im Zusammenhang mit dem Entführungsfall um die Unternehmerin Christina Block. Hanning bestreitet die gegen ihn in diesem Komplex erhobenen Vorwürfe. Im Mai 2026 eröffnete die Bundesanwaltschaft ein verdecktes Verfahren.
Hanning leitete den BND von 1998 bis 2005 und wurde danach Staatssekretär im Bundesinnenministerium. Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik ein ehemaliger BND-Präsident in einen Fall mutmasslichen Landesverrats verwickelt.