Der Spiegel verteidigt seine Entscheidung, den AfD-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, als «den gefährlichsten Mann Deutschlands» auf die Titelseite zu setzen. Chefredakteur Dirk Kurbjuweit begründete die Zuspitzung im Sonntagsnewsletter «Die Lage am Morgen» mit der besonderen Macht von Politikern. «Wenn ein Politiker böse Absichten hat – die allermeisten haben das zum Glück nicht –, kann das böse Folgen für Hunderttausende haben, vielleicht für Millionen.» Das berichtet die Welt.
Christian Charisius/DPA/Keystone
Siegmund sei «aus Sicht liberaler Demokraten» derzeit der gefährlichste Mann Deutschlands, schrieb Kurbjuweit. Der AfD-Politiker trete freundlich und gewinnend auf, lasse sich im Hintergrund aber «von einem Netzwerk rechter Extremisten unterstützen». Seine politischen Pläne für Sachsen-Anhalt bezeichnete der Chefredakteur als Angriff auf die liberale Demokratie. «Minderheiten würden das zuerst spüren.»
Den Vorwurf, mit dem Cover wenige Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt in den Wahlkampf einzugreifen, weist Kurbjuweit zurück. Entscheidend sei allein die journalistische Relevanz: «Relevanz ist unser oberstes Kriterium, nicht die Frage, wem eine Titelgeschichte nützt oder schadet.» Beim Spiegel glaube man zudem nicht, mit der eigenen Berichterstattung Wahlergebnisse beeinflussen zu können.
Die Titelseite hatte wegen ihrer drastischen Formulierung und ihrer an ein Fahndungsplakat erinnernden Gestaltung Kritik ausgelöst. Kritiker bezweifelten, dass der dazugehörige Artikel die Bezeichnung Siegmunds als «gefährlichsten Mann Deutschlands» ausreichend begründe. Andere warnten, die Aufmerksamkeit könne dem AfD-Politiker im Wahlkampf sogar nutzen.
Siegmund selbst reagierte mit Spott und bezeichnete das Cover als «sehr gute Werbung». In sozialen Netzwerken verbreiteten sich Videos, in denen er Ausgaben des Spiegel signiert.