Die Wahlbeteiligung war rekordverdächtig, die Entscheidung hauchdünn. Der neue Präsident von Polen nach einem Foto-Finish heisst Karol Nawrocki.
Der Historiker und Präsident des Instituts für Nationales Gedenken (IPN) steht der regierenden Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) nahe, gilt aber nicht als typischer Parteipolitiker. Das rechtskonservative Bündnis, das ihn nominiert hat, dürfte auf andere Qualitäten gesetzt haben.
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Nawrockis Themen sind die historische Identität, die nationale Souveränität und Sicherheitsfragen. Geboren 1983 in Danzig, gilt Karol Nawrocki als Vertreter einer Generation, die mit dem kommunistischen Erbe gebrochen hat und in der Tradition der Solidarnosc-Bewegung steht. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann an der Universität Danzig, später promovierte er mit einer Arbeit über antikommunistischen Widerstand.
Seit 2009 ist er eng mit dem IPN verbunden – einer Institution, die nicht nur Archive verwaltet, sondern auch stark in die öffentliche Geschichtspolitik eingreift. Seine konsequente Haltung gegenüber kommunistischen Tätern und seine Bemühungen, das polnische Geschichtsbewusstsein zu stärken, dürften ihm unter anderem zum Sieg verholfen haben.
Der neue polnische Präsident steht für ein konservatives Gesellschaftsbild, eine Betonung christlicher Werte und eine klare Absage an progressive gesellschaftspolitische Trends. In der Aussenpolitik plädiert er für enge Beziehungen zu den USA und eine kritische Haltung gegenüber Brüssel.
Mit Karol Nawrocki rückt Polen innenpolitisch wieder stärker in Richtung eines wertebasierten Nationalkonservatismus. Trotz der beschränkten Macht des Amts des Präsidenten galt die Wahl als Richtungsentscheidung.