Die dänische Kulturbehörde will eine 14 Tonnen schwere Skulptur einer Meerjungfrau aus dem öffentlichen Raum entfernen lassen. «Die grosse Meerjungfrau» des Künstlers Peter Bech sei «hässlich und pornografisch», urteilte der Kunstkritiker Mathias Kryger in der Zeitung Politiken. Der Vorwurf: Die Statue sei Ausdruck eines männlichen Ideals, das Frauenkörper verzerrt darstelle und nicht mit dem kulturellen Erbe des Standorts Dragør Fort in Kopenhagen vereinbar sei.
Die Debatte spitzt sich zu. «Eine Statue zu errichten, die dem feuchten Männertraum vom perfekten Frauenkörper entspricht, wird kaum zur Körperakzeptanz bei Frauen beitragen», schrieb die Pfarrerin und Journalistin Sørine Gotfredsen in der Berlingske. Sie sprach von einem «erdrückenden Übermass an Körpern im öffentlichen Raum».
Die Reaktion des Künstlers fiel nüchtern aus: «Die Brüste der Figur sind proportional zur Grösse der Statue», sagte Bech. Ihm sei die Kritik unverständlich. Auch aus der Bevölkerung erhält er Unterstützung: Viele in Dragør hätten ihm gesagt, wie sehr sie die Skulptur schätzten. Bech hatte das Werk einst als Antwort auf die Beschwerde von Touristen geschaffen, die berühmte kleine Meerjungfrau sei zu winzig.
Aminata Corr Thrane, Debattenredaktorin der Berlingske, warf den Gegnern der Statue implizites Bodyshaming vor: «Müssen weibliche Brüste eine bestimmte Form und akademisch korrekte Grösse haben, um im öffentlichen Raum bestehen zu dürfen?»
Die Kulturbehörde lehnt eine dauerhafte Ausstellung der Statue ab. Auch die Gemeinde Dragør lehnte eine Schenkung ab: «Ein schönes Angebot», sagte die Ausschussvorsitzende Helle Barth, «aber es ist schwer, sie unterzubringen – sie nimmt einfach viel Platz ein.»