Nach dem beinahe herbeigeführten Absturz eines Flydubai-Flugzeugs auf dem Flug von Dubai nach Tel Aviv verdichten sich die Erkenntnisse über den dramatischen Ablauf, während das Motiv des Co-Piloten weiter ungeklärt ist. Die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate untersuchen nach eigenen Angaben, ob die Tat terroristisch motiviert, im Voraus geplant oder von Dritten gesteuert wurde. US-Präsident Donald Trump brachte laut CBS News unterdessen eine mögliche Verbindung zum Iran ins Spiel – Belege dafür gibt es bislang nicht.
Ohad Zwigenberg/AP Photo/Keystone
Der Co-Pilot soll am Mittwoch den indischen Kapitän Smit Machchhar im Cockpit angegriffen haben. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, der Mann habe den Kapitän möglicherweise mit einer Axt attackiert. Woher die Waffe stammte, ist offen; als Möglichkeit gilt eine für Notfälle im Cockpit aufbewahrte Axt. Der schwer verletzte Kapitän konnte trotz starker Blutungen die Cockpittür entriegeln.
Eine Mutter und ihre Tochter sollen auf dem Weg zur Toilette die Auseinandersetzung bemerkt und Alarm geschlagen haben. Passagiere und Besatzungsmitglieder überwältigten daraufhin den Co-Piloten. Während des Vorfalls verlor Flug FZ1073 binnen rund 30 Sekunden rund vier Kilometer an Höhe. Eine mitreisende Reservebesatzung übernahm schliesslich das Steuer und landete die Maschine mit mehr als 170 Menschen an Bord im saudi-arabischen Tabuk.
Saudi-Arabiens Innenministerium bestätigte nach ersten Untersuchungen einen Angriff des Co-Piloten auf den Kapitän. Beide Männer erlitten Verletzungen und wurden in einem Krankenhaus behandelt. Am Donnerstag verliessen sie Saudi-Arabien nach medizinischer Freigabe unter Begleitung eines emiratischen Sicherheitsteams Richtung Abu Dhabi. Dort werden die Ermittlungen fortgeführt.
Beim Motiv ergibt sich bislang kein eindeutiges Bild. Wie der britische Independent berichtet, erklärte Netanjahu, der mutmasslich omanische Co-Pilot sei «klar suizidal» gewesen und habe nach seiner Überwältigung «Tötet mich» gerufen. Zugleich sagte er, Israel verfüge über Hinweise auf eine «islamistische radikale Indoktrination» des Mannes. Zwei israelische Sicherheitsvertreter gehen nach dem bisherigen Ermittlungsstand davon aus, dass der Co-Pilot wahrscheinlich allein handelte.
Trump äusserte sich weitergehend. Auf die Frage nach einer Verbindung zum Iran sagte er: «Nach dem, was ich höre, würde ich sagen: ja.» Die Untersuchungen liefen aber noch. Ob der Mann von den iranischen Revolutionsgarden eingesetzt worden sein könnte, beantwortete Trump mit: «Könnte sein, ja.» Sollte sich eine iranische Verantwortung bestätigen, drohte er Teheran mit Vergeltung: «Sie werden sehr hart getroffen werden.» Netanjahu selbst erklärte dagegen, es sei noch zu früh, dem Iran eine Beteiligung zuzuschreiben.
Damit bleiben die entscheidenden Fragen offen: ob der Co-Pilot tatsächlich einen gezielten Absturz herbeiführen wollte, wie er an die mutmassliche Tatwaffe gelangte und ob hinter der Tat ein terroristisches Netzwerk stand. Die Vereinigten Arabischen Emirate führen die Ermittlungen, da das Flugzeug dort registriert ist. Flydubai hat seine Flüge von und nach Israel vorerst ausgesetzt.