Russland hat seine Luftangriffe auf die wirtschaftliche Infrastruktur der Ukraine massiv ausgeweitet und damit zentrale Teile der Stahlproduktion, Logistik und Versorgung getroffen. Nach Angaben der ukrainischen Regierung könnten dem Staat dadurch allein rund 1,5 Milliarden Dollar an Steuereinnahmen entgehen.
«Russland will die ukrainische Wirtschaft töten und dadurch unseren Widerstand brechen», sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj vergangene Woche. Seit Ende August trafen Raketen und Drohnen unter anderem Lagerhäuser, Einkaufszentren, Verteilzentren, Bahnanlagen und Tankstellen. Nach Angaben des ukrainischen Unternehmers Ruslan Schostak wurden inzwischen 2,1 Millionen der rund 5 Millionen Quadratmeter moderner Lagerflächen des Landes zerstört, 900.000 Quadratmeter davon in den vergangenen Monaten.
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Besonders schwer wiegen die Schäden in der Stahlindustrie. Ballistische Raketen setzten drei grosse verbliebene Werke in den Regionen Saporischschja und Dnipropetrowsk ausser Betrieb. Die Anlagen von Metinvest und Arcelor Mittal standen zusammen für rund 90 Prozent der ukrainischen Stahlproduktion und beschäftigen mehr als 15.000 Menschen. Bei den Angriffen kamen siebzehn Arbeiter ums Leben.
«Stand heute hat die Ukraine keine Stahlindustrie mehr», sagte Oleksandr Wodowiz aus der Führung von Metinvest der Financial Times. Wie lange die Reparaturen dauern werden, sei offen. Das Unternehmen spricht von Tagen, Wochen, Monaten oder sogar Jahren. Arcelor Mittal bestätigte nach einem Raketenangriff im September, dass die primäre Stahlproduktion in Krywyj Rih eingestellt wurde.
Auch der Export gerät weiter unter Druck. Die Blockade und Angriffe auf Transportwege erschweren insbesondere den Absatz ukrainischer Agrarprodukte. Zugleich führt die Ukraine selbst weitreichende Angriffe gegen russische Raffinerien und andere wirtschaftlich wichtige Ziele. Kiew erklärt diese mit dem Versuch, Russlands Kriegseinnahmen zu verringern.
Für die Ukraine verschärft sich damit neben dem militärischen zunehmend auch der wirtschaftliche Abnutzungskrieg. Ministerpräsident Serhij Korezkyj beziffert die möglicherweise ausfallenden Steuereinnahmen derzeit auf mindestens 70 Milliarden Hrywnja, rund 1,5 Milliarden Dollar.