Die ARD zeigt seit Freitag mit der Dramedy «Selling Sex» eine Serie über eine Studentin, die ihre Schulden als Escort schneller abbezahlen und sich damit wirtschaftliche Freiheit verschaffen will. Die Macherinnen Miriam Dehne, Hannah Schopf und Marie C. König erzählen Sexarbeit dabei als Geschichte weiblicher Selbstbestimmung; König arbeitete nach Angaben der Neuen Zürcher Zeitung selbst zehn Jahre im Escortgeschäft.
ARD Degeto Film/Mia Wallace Prod
Im Mittelpunkt steht die Wirtschaftsstudentin Nelly, gespielt von Ella Morgen. Für ihren beruflichen Aufstieg benötigt sie Praktika, arbeitet dort aber teilweise unbezahlt und gerät finanziell unter Druck. Über eine Bekannte landet sie bei einer Escortagentur, nennt sich fortan Aurora und verdient mit zahlenden Kunden deutlich mehr als in gewöhnlichen Nebenjobs.
Die Serie inszeniert diese Welt mit teuren Hotels, Champagner, Limousinen und Geld in Briefumschlägen. Nelly informiert sich vor unbekannten Praktiken im Internet oder bei einer KI und lernt von erfahreneren Kolleginnen die Regeln des Geschäfts. Gleichzeitig deutet «Selling Sex» problematische Seiten an: Eine Escortfrau soll etwa ihren Bauch operativ straffen lassen, weil ihre Kaiserschnittnarbe den Vorstellungen der Agentur nicht entspricht.
Die NZZ kritisiert vor allem, dass die Serie solche Konflikte kaum vertiefe. Fragen nach Abhängigkeit, Ausbeutung und der Grenze zwischen freiwilliger Entscheidung und wirtschaftlichem Druck würden zwar angerissen, aber nicht konsequent verfolgt. Stattdessen dominiere eine ästhetisierte Welt des schnellen Geldes.
Neben Nelly erzählt die Serie von anderen Escortfrauen, einem männlichen Sexarbeiter sowie von Nellys Freundschaft mit ihrer Mitbewohnerin Bonnie. Gerade dieser Beziehung fehle nach Einschätzung der NZZ psychologische Tiefe. Der Versuch, Sexarbeit als weibliche Selbstermächtigung zu erzählen, bleibe deshalb widersprüchlich: Nelly entscheidet zwar selbst über ihren Körper, doch der Ausgangspunkt ihrer Entscheidung ist nicht Freiheit, sondern Geldnot.