Unter den rund 60.000 Migranten, die Ende vergangener Woche die spanische Exklave Ceuta erreichten, waren zahlreiche Jugendliche aus Marokko. Die meisten sind inzwischen in ihre Heimat zurückgekehrt. Hunderte Minderjährige sollen sich jedoch weiterhin weitgehend unversorgt in leerstehenden Industriegebäuden aufhalten.
Zu den Ursachen des Massenansturms gehören die schwierigen Lebensbedingungen in Marokko. Dies berichtet der Blick. Obwohl sich das nordafrikanische Land zu einem bedeutenden Standort für die Automobil-, Luftfahrt- und Energieindustrie entwickelt hat, profitieren weite Teile der Bevölkerung kaum vom wirtschaftlichen Aufschwung. In den Städten liegt die Jugendarbeitslosigkeit teilweise bei mehr als 40 Prozent. Schätzungsweise 1,4 Millionen junge Menschen haben weder Arbeit noch Zugang zu einer Aus- oder Weiterbildung.
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Hinzu kommen marode Schulen und Spitäler, fehlende soziale Aufstiegschancen sowie steigende Lebensmittelpreise infolge mehrerer Dürrejahre. Gut ausgebildete Fachkräfte wandern häufig ins Ausland ab. Wohlhabende Familien können sich private Schulen und Kliniken leisten, während ärmere Bevölkerungsschichten zunehmend abgehängt werden.
Kritik richtet sich auch gegen König Mohammed VI. und die wirtschaftliche Vormachtstellung seines Umfelds. Das Vermögen des Monarchen wird auf 5,7 Milliarden Dollar geschätzt. Die königliche Holding Al Mada ist in zahlreichen Branchen tätig, darunter im Banken-, Bergbau-, Energie-, Telekommunikations-, Bau- und Lebensmittelsektor. Die Konzentration von Macht und Kapital behindert den Wettbewerb und begünstigt eine kleine, palastnahe Elite. Während grosse Teile der Bevölkerung unter wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit leiden, investiert Marokko Milliarden in Prestigeprojekte und bereitet sich gemeinsam mit Spanien und Portugal auf die Fussball-Weltmeisterschaft 2030 vor.