Deutschland hat sich zwei Jahre nach der Teillegalisierung von Cannabis zum grössten regulierten Markt Europas entwickelt, berichtet die Financial Times. Nach Angaben des Bundesgesundheitsinstituts haben sich die legalen Cannabis-Importe seit 2024 versechsfacht. Allein die Einfuhr von medizinischem Cannabis stieg vom ersten Quartal 2024 bis zum ersten Quartal 2026 von 8143 auf 50.539 Kilogramm.
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Die Entwicklung verschärft den Streit über die Reform der früheren Regierung von Olaf Scholz. Erwachsene dürfen Cannabis besitzen und privat anbauen; zugleich wurde der Zugang zu medizinischem Cannabis ausgeweitet. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt von der CSU bezeichnete das Cannabisgesetz als «a real piece of shit law» und wirft ihm vor, Prävention und Strafverfolgung geschwächt zu haben. Familienministerin Karin Prien (CDU) fordert stärkere Suchtprävention für Kinder und Jugendliche.
Das Gesundheitsministerium hat inzwischen einen Gesetzentwurf vorgelegt, der den Zugang zu medizinischem Cannabis erschweren und dessen Nutzung zu Freizeitzwecken eindämmen soll. Die SPD lehnt die Verschärfungen ab. Der Bundestag soll sich im Herbst damit befassen.
Eine Studie der Universität Hamburg beziffert die 2025 in Deutschland verfügbare Cannabis-Menge auf mehr als 200 Tonnen, davon lediglich 2,6 Tonnen aus heimischer Produktion. Das Marktvolumen lag laut dem Analyseunternehmen Prohibition Partners bei 997 Millionen Dollar.
Die Hamburger Forscher registrierten zugleich mehr Krankenhausaufenthalte im Zusammenhang mit Cannabis, was sie unter anderem auf stärkere THC-Konzentrationen zurückführen. Studienleiter Jakob Manthey kommt dennoch zu einem gemischten Befund: «the illegal market is shrinking although overall consumption has barely changed».
Cannabisbezogene Straftaten gingen laut den ausgewerteten Daten um zwei Drittel zurück, während der Konsum weitgehend stabil blieb. Mehr als die Hälfte der Konsumenten bezieht Cannabis allerdings weiterhin nicht über medizinische Verschreibungen. Ökonomin Anna Bindler vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung hält deshalb Prävention und Aufklärung für wirksamer als eine Rückkehr zum Verbot.