Ein Pflegeheim in Dessau steht unter dem Verdacht, bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ohne Wissen des Bevollmächtigten die Briefwahl einer 95-jährigen dementen Bewohnerin organisiert zu haben. Der Neffe der Frau hat deshalb Strafanzeige gegen unbekannt gestellt. «Für mich ist das ein Skandal», sagte er der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung.
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Die Seniorin lebt seit vier Jahren in der Seniorenresidenz «Marthahaus». Ihr Neffe kümmert sich als Bevollmächtigter um ihre Angelegenheiten und erhält nach eigenen Angaben normalerweise sämtliche Briefe und Dokumente seiner Tante. Als er Ende August im Heim nach ihren Wahlunterlagen fragte, verwies ihn die Geschäftsführung zunächst an eine zuständige Mitarbeiterin.
Diese habe ihn am folgenden Tag kontaktiert und erklärt, sie habe die Wahlunterlagen der Bewohner «eingesammelt und geschreddert». «Die Mitarbeiterin beteuerte mir, alles vernichtet zu haben», sagte der Neffe.
Daraufhin wandte sich der Mann an das Wahlbüro. Dort erfuhr er nach eigenen Angaben, dass bereits am 10. August Briefwahlunterlagen für seine Tante beantragt worden seien und ihre Stimme bereits abgegeben worden sei. Mitarbeiter hätten ihm den entsprechenden Antrag mit einer «krakeligen» Unterschrift der 95-Jährigen gezeigt. Welche Partei oder Kandidaten auf dem Stimmzettel angekreuzt wurden, teilte das Wahlbüro aus Datenschutzgründen nicht mit.
Ob die Bewohnerin selbst gewählt, dabei Unterstützung erhalten oder jemand unrechtmässig in ihrem Namen abgestimmt hat, ist bislang ungeklärt. Der Neffe erstattete Strafanzeige gegen unbekannt. Das Seniorenheim beantwortete eine Anfrage der Zeitung zunächst nicht und äusserte sich auch telefonisch nicht zu den Vorwürfen. Die Stadt Dessau bestätigte lediglich, dass ihr der Vorgang bekannt sei. Weitere Angaben machte sie nicht.