Der Mann ist Fachmann für (fast) alles. Früher Corona-Kreischer, heute der grosse IT-Spezialist. Was wohl gleich bleibt: drastische Fehlprognosen.
Es waren die Zeiten, als sich Epidemiologen mit Schreckenszahlen überboten. Christian Althaus setzte sich mit «bis zu 100.000 Toten» in die Pole-Position. Konkurrentinnen wie Emma Hodcroft kämpften mit den Waffen einer Frau.
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Marcel Salathé landete mit lediglich «bis zu 35.000 Toten» auf den Plätzen. Dafür wurde er Mitglied der vom Bundesrat einbestellten Task-Force und erzählte munter Unsinn wie den, dass Masken sinnvoll seien und schützten.
Seine Prognosen schwankten zwischen «Es sieht gerade wirklich gut aus» oder «Wir haben in der Schweiz das Schlimmste hinter uns» und Forderungen nach Tests und Isolation von Infizierten. Als er «keine zweite Welle» sah, nahm die Zahl der Neuinfektionen anschliessend drastisch zu.
Am Schluss sollen es dann knapp 20.000 Corona-Tote gewesen sein. Nur 650 dieser Verstorbenen hatten keine dokumentierte Begleiterkrankung. Erlag also jemand dem Krebs oder einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, war aber Covid-19-positiv, dann starb er offiziell daran.
Ungetestete Impfungen, an denen Pharmakonzerne Milliarden verdienten und jegliche Haftung den hysterischen Regierungen in die Schuhe schoben, das waren noch Zeiten. Vorher ein unbekannter Professor an der ETH Lausanne, wurde Salathé 2020 schlagartig berühmt und als Experte der Task-Force durch die Gazetten gereicht.
Während viele andere nach Abklingen der Corona-Hysterie wieder in der Versenkung verschwanden, wurde er dank Nationalfonds Präsident des Forschungsprogramms «Covid-19».
Dann wurde es längere Zeit still um Salathé. Er ist weiterhin Professor in Lausanne und befasst sich mit Epidemiologie. Aber er baute sich ein zweites Standbein als Co-Direktor des Artificial Intelligence Center der Hochschule auf.
Nun ist er wiedergeboren als der «Schweizer KI-Forscher» und lässt sich gerne interviewen. Er weiss immer noch, wie man mit markigen Aussagen in die Schlagzeilen kommt. Die Warnungen vor einer ausser Kontrolle geratenen künstlichen Intelligenz erinnern ihn «an einen Todeskult». Er hält die Weltuntergangsszenarien für «völlig übertrieben».
Als würde er sein Alter Ego von früher kritisieren, fällt er nun über KI-Kritiker her, die eine 10-prozentige Chance sehen, dass die KI die Menschheit auslösche: «Das sind einfach Zahlen, die aus der Luft gegriffen sind, für die es überhaupt keine Evidenz gibt und die auch extrem unverantwortlich sind.»
Noch mehr Salathé heute über Salathé früher: «Ich glaube, da gibt es auch gewisse Gottkomplexe in dem Sinne, dass viele ihre eigene Arbeit masslos überschätzen.» Ach nein, auch das handelt von KI-Wissenschaftlern.
Aber in eigener Sache ist der Fachmann für (fast) alles immer gerne unterwegs: «Europa und die Schweiz schauen hier schlafend zu und machen überhaupt keine Anstalten, wirklich ernsthaft Geld in die KI-Entwicklung zu investieren.»
Also Geld in sein neues Forschungsgebiet, versteht sich.
Es ist allerdings zu hoffen, dass diesmal seine Prognosen und Urteile zutreffender sind als beim letzten Mal. Da lag er nämlich regelmässig daneben.