Die frühere Chefin der Grünen Jugend, Jette Nietzard, bereut ihre provokanten Aussagen während ihrer Amtszeit nicht – trotz heftiger Shitstorms und parteiinterner Kritik. Die 27-Jährige will auch künftig bewusst provozieren. «Und, ja, ich will auch weiterhin die Grenze der öffentlichen Meinung ausreizen», schreibt Nietzard in einem Beitrag für den Spiegel.
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Nietzard war bis Oktober 2025 Bundessprecherin der Grünen Jugend und sorgte wiederholt für Kontroversen. Zu Silvester 2024 schrieb sie etwa: «Männer, die ihre Hand beim Böllern verlieren, können zumindest keine Frauen mehr schlagen.» Den Beitrag zog sie später zurück. Heute ist sie dennoch überzeugt, nicht zu weit gegangen zu sein: «Ich habe die Grenzen des Sagbaren als Sprecherin der Grünen Jugend nie überschritten.» Ein Gericht habe ihr nie eine Äusserung untersagt.
Gleichzeitig räumt Nietzard ein, dass die öffentliche Empörung Spuren hinterlassen habe. Im Angesicht der Shitstorms habe sie manchmal selbst das Gefühl gehabt, zu weit gegangen zu sein. «Obwohl ich vergleichsweise viel Unterstützung hatte, habe ich mich sehr allein gefühlt – als wäre die ganze Welt gegen mich, nicht nur Boomer im Internet.» In ihrem privaten Umfeld habe sie dagegen keine Freundschaften wegen ihrer Aussagen verloren.
Die Zuspitzung versteht Nietzard als bewusstes politisches Mittel. Ohne sie dringe man mit seiner Meinung nicht durch. Ihr Ziel sei nicht, «alle Menschen glücklich» zu machen. Im Gegenteil: «Es ist sogar gut, wenn Leute sich an meinen Aussagen aufreiben – dann gibt es mehr Aufmerksamkeit für Themen.» Das verbreitete Gefühl, man dürfe heute nichts mehr sagen, teilt sie deshalb nicht.
Gleichzeitig fordert Nietzard stärkere Regeln für Äusserungen im Netz. Vieles werde als Meinung bezeichnet, obwohl es sich ihrer Ansicht nach um «Menschenfeindlichkeit» handle. Dagegen könne eine stärkere Plattformregulierung helfen, damit entsprechende Aussagen gesperrt würden. Für ihre eigenen Äusserungen zieht sie hingegen eine klare Konsequenz: Sie wolle sich vom Hass im Internet nicht einschüchtern lassen und weiterhin die Grenzen der öffentlichen Meinung austesten.